Läufers Weisheiten

Ich bin Läufer, um mein eigenes Ich in seiner Begrenztheit zu überschreiten!

Wichtiger Hinweis:

Um gewährleisten zu können, das das erstmalig geschriebene Wort nicht durch Ergänzungen und inhaltliche Korrekturen verfälscht wird und entsprechend authentisch bleibt wurde dieser Text nicht korrekturgelesen. Entsprechend bitte ich Rechtschreib-, Grammatik, Tipp- und Formulierungsfehler schon jetzt zu entschuldigen! Ebenso bitte ich über Namensvertauschungen oder ähnliches großzügig hinwegzusehen - es ist schwer sich 66 Stunden exakt zu merken ;-)!
Meine Gedanken dazu etwa 5 Tage nach dem Lauf:

Es gibt Dinge, für die, wenn du sie planst und dann tatsächlich tust, 99,99 % aller, die davon hören, dich für komplett verrückt halten und sagen, es sei völlig unmöglich dies zu erreichen und du seist ein absoluter Träumer. Und wenn du es dann trotzdem tust triffst du genau bei diesem "Traum" auf die restlichen 0,01 % Menschen, die ebenfalls an diese Idee, dieses ach so wahnwitzige Projekt, egal wie verrückt es auch zu sein scheint, glauben.

Man kämpft gemeinsam, erlebt Erfolg und Leid, geht gemeinsam durch Dick und Dünn und verliert das gemeinsame Ziel niemals aus den Augen - einer für alle, alle für einen! Man kennt sich erst kurz und ist sich doch so vertraut...Und du stellst fest das genau DIE Menschen es sind, die das Leben besonders machen, für die du gerne kämpfst und alles gibst, die aber auch alles für dich geben, die es sich lohnt zu kennen, die einfach wunderbar und einzigartig sind!
Ich bin gerne verrückt und bekloppt, sonst hätte ich niemals all diese wunderbaren Menschen kennenlernen können!
Und seltsamerweise sind oftmals genau diese "Verrückten" die Menschen in unserer Gesellschaft, die etwas bewegen, die sich um Andere, denen es nicht so gut geht, Gedanken machen. Sie sind berührt von deren Geschichten und Schicksal und nehmen es eben nicht einfach so hin, sondern handeln und versuchen mit dem, was sie tun, und sei es noch so unvorstellbar, ihnen zu helfen!

Verträume nicht dein Leben - lebe deine Träume!


Steffi Rennt Logo

Welch ein wahnwitziges Spendenlaufprojekt...der Remstal-Höhenweg-Spendenultra

  • Start: 17.01.2013, Fellbach, 0:02 Uhr
  • Ziel: Olgäle Hospital Stuttgart
  • Distanz: 250,3 Km nonstop
  • 13 Etappen (von VP zu VP) zwischen 15 und 25 Km Länge
  • Höhenmeter: 6380 positiv
  • Geplante Zeit: 65 - 75 Stunden
  • Drei Nächte...
  • Initiatorin, Organisatorin und Hauptläuferin: Steffi Praher mit der Lauferfahrung eines einzigen 100 Km-Laufes

Dazu noch zu erwartende Temperaturen  von -2 °C bis -10 °C und das bei dauerhaftem Schneefall - welch ein Irrsinn!
Und jede Menge Skeptiker in der Ultraszene die sagen: Mission Impossible!

 

Mein Job: Steffi unter allen Umständen und unter völliger Unterordnung eigener Bedürfnisse oder Probleme ins Olgäle zu bringen, komme da was wolle!
Mit diesem Wissen und 1000 Gedanken im Kopf sitze ich gegen 13 Uhr im Auto und fahre Richtung Steffi nach Plüdershausen. Der Tag hat für mich ja nicht gerade gut angefangen, habe ich doch schon am frühen Morgen unser Auto geschrottet und aus diesem Grund bereits jetzt schon Adrenalin satt in mir. Diesen Spendenlauf absagen? Wozu - am Zustand unseres Autos würde das nichts ändern...

 

 

Gegen 15:30 Uhr stehe ich vor Steffis Wohnung. Mensch ist die nervös....aber gut, wen wundert´s? Wir fallen uns in die Arme und besprechen den mehr oder weniger geordneten Ablauf bis zum Start. Außerdem hole ich meine Sachen aus dem Auto - ist ja zum Glück nicht so viel ;-)!
Nach und nach kommen auch die Supporter Steffi J., Sascha, Klaus und Holger dazu. Wenig später nimmt Steffi J. unsere Rennerin dann mit in ihre Wohnung, damit diese dort hoffentlich noch etwas Schlaf finden kann. Selbiges habe ich eigentlich auch noch vor...doch scheitert das, da noch schnell eine Route (der Weg vom Remseck zum Olgäle) auf GPSies erstellt werden muss, um diese dann noch auf der Homepage veröffentlichen zu können. Außerdem wird Klaus in den GPS-Spot eingewiesen. Apropos Klaus, der isst unendwegt und sorgt für einen leeren Kühlschrank in Steffis Küche. Also, wohl eher kein Schlaf für mich, na toll, das heißt also nach 18 Stunden wach sein ist der Start - ich bin begeistert, bin ich doch schon jetzt totmüde...Als der Track erstellt ist verschwinden Sascha und Oli wieder, um die Homepage zu aktualisieren. Klaus hat die Ruhe weg, pennt tief und fest und sägt sämtliche Bäume im angrezenden Wald ab! So um 19 Uhr lege ich mich dann auch hin, in der Hoffnung zur Ruhe zu kommen oder vielleicht sogar kurz noch schlafen zu können, doch die Gedanken kreisen unentwegt durch meinen Kopf....nix mit schlafen...ich rufe meinen Schatz Meli an um ihr von meinem morgentlichen Missgeschick zu erzählen. Sie macht sich Sorgen...nicht wegen dem Wagen, sondern wegen dem, was die nächsten ca. 70 Stunden auf mich zu kommen wird...
Gegen 20:30 Uhr trudelt dann Michael ein, der extra aus Hamburg gekommen ist, um Steffi ebenfalls möglichst lange zu begleiten. Seine bisherige maximale Laufdistanz: Marathon! Ich fasse es nicht....aber gut, wer die Cabanauten kennt weiß wie verrückt die sind...
Doch wen ich noch vermisse ist der zweite Läufer, der genau wie ich vom Start bis zum Ziel an Steffis (ich nenne sie absofort Duracellinchen!) Seite laufen möchte..hoffentlich kommt der noch, dann alleine würde ich das nicht schaffen sie ins Ziel zu bringen, dessen bin ich mir sicher, nicht unter den zu erwartenden Bedingungen.
Um 21 Uhr kommt Steffi J., um uns, also Michael, Klaus und mich, zum Essen abzuholen. Duracellinchen ist quasi schon lauffertig als wir dort eintreffen. Es gibt richtig leckere Nudeln mit Tomaten und/ oder Pestosauce - gut, esse ich halt von jedem jeweils einen Teller voll!! Und Klaus mampft schon wieder....wo schafft der das denn nur alles rein?
Die Zeit schreitet voran und so machen wir uns wenig später alle gemeinsam auf den Weg zurück in Duracellinchens Wohnung. Es schneit, und wie, und ich fange mir so langsam nochmehr an Gedanken zu machen...konnte ich doch wirklich NULL Schneeläufe als Vorbereitung absolvieren. Man man, das kann ja was werden, und an die Kälte darf ich erst gar nicht denken!
Noch 90 Minuten bis zum Start, und da der pünktlich erfolgen soll, heißt es nun keine Zeit zu verschwenden! Also schnell rein die die Laufklamotten (was und wieviel ziehe ich nur an...?), Trinkrucksack packen, Trinkblase füllen und alles was während des Laufes benötigt wird ab in das Supportermobil. Hoffentlich habe ich nichts vergessen...

 

Remstal Spendenultra 2013 - 083

Etwa 20 Minuten vor dem Start kommen wir am Startpunkt in Fellbach an, und was ein Glück, ich erblicke Georg Kunzfeld als zweiten Führungsläufer!! Mir fallen Tonnen an Steinen vom Herzen...gut, wir sind also 2 Begleiter, die unser Duracellinchen ins Olgäle begleiten, gut so! Und Georg hat in etwa gleichlange Distanzen absolviert wie ich und läuft auch in etwa auf meinem Niveau, sogar noch etwas besser und vor allem seit einer bedeutend längeren Zeit (etwa 15 Jahre), bringt also viel Wissen und Erfahrung mit. Meine Zuversicht steigt...
Duracellinchen gibt noch schnell ein Interview (die hat Nerven), was aber wichtig ist, wollen wir doch so viel wie möglich an Spendengeldern erlaufen, und da geht eben ohne Rundfunk, Fernsehen und Presse nichts, gar nichts! Derweil ziehe ich mich schon mal an: 4 Langarmshirts, davon 2 Thermo, 2 Laufhosen und 3 Jacken. Mein Respekt vor der zu erwartenden Kälte ist immens!

Remstal Spendenultra 2013 - 089

Hier lerne ich auch die restliche Supportercrew kennen, also auch Melanie, Sebastian und Carina und ich muss schon sagen, wenn sich der erste Eindruck bestätigt, alle samt klasse Leute! Aber gut, mal sehen wie das alles so funzt wenn es später darauf an kommt....Ein riesen Lob allerdings schon mal vorweg für all das was Steffi hier an "Sportlernahrung" alles organisiert hat! Wahnsinn, Gels, Riegel, Drops, Drinks, von fast allen Herstellern, in Unmengen, Hammer! Sie muss echt alle Sportläden im Umkreis von 100 Km abgeklappert haben! Na von daher kann ja echt nichts schief gehen, denn auch ich habe, ach, einen Haufen von dem Zeugs mit dabei ;-)!
Ich checke nochmals meinen Trinkrucksack und die Laufjackentaschen, blos nix vergessen! Riegel, Gels, Stirnlampe, GPS, Garmin, Handy, Powerakku, Ersatzbatterien, alle benötigten Kabel, zusätzliche Handschuhe, eine zusätzliche Jacke,  ....die Liste ist lang. Ich scheine aber alles zu haben, glaube ich. Und dann ist es auch schon soweit, Duracellinchens, aber auch mein bisher mit Abstand größtes und längstes Laufprojekt aller Zeiten startet, wir zählen von 10 herunter und los geht´s!

Remstal Spendenultra 2013 - 088

Remstal Spendenultra 2013 - 025

Im Blitzgewitter der Fotografen begeben wir uns mit Warnwesten bestückt (es wurde wirklich an alles gedacht!!) wie geplant um Punkt 0.02 Uhr auf die erste Etappe von Fellbach nach Stümpfelbach und erklimmen gleich mal den ersten Berg. Eines vorweg - Steffi haben wir Handyverbot erteilt. Diesen Part, also die Kontaktaufnahme mit dem Supporterteam, habe ich übernommen. 14,4 Km sollen das sein und geplant ist eine Zeit von 3 Stunden. Die Stimmung unter den Läufern ist klasse, mit dabei ist auf diesem Teilabschnitt auch Michael, der, genau wie ich, vorerst ohne Stöcke unterwegs ist. Doch schon auf den ersten Schritten wird uns schlagartig klar, auf was wir uns da eingelassen haben, denn mit jedem Schritt rutschen wir...und es schneit kräftig weiter, sodass sich zu den bereits jetzt unangenehmen 5 cm Neuschnee noch einiges dazugesellen wird. Aber, no way back, ab jetzt zählt nur eins, ANKOMMEN!
Ich spreche kurz mit Georg, dem auch schnell klar geworden ist, was das hier und heute für ein Brett ist, auf das wir uns alle eingelassen haben. Ich schaue kurz auf den Laufcomputer um unsere Pace zu checken und...Mist, vergessen auf Start zu drücken! Klasse, fängt ja gut an, die ersten 12 Minuten bzw. der erste gute Km fehlt schon mal....Dann kontrolliere ich unsere Strecke auf den Garmin und...man, das gibt´s doch gar nicht, wir haben uns bereits jetzt verlaufen!!!! So, die ersten beiden Extrakilometer sind schon mal im Sack! Sprich, von den 4 die wir schon gelaufen sind waren 50 % umsonst...das kann ja noch was werden!! Die Schneedecke ist noch einigermaßen dünn und so kommen wir recht gut voran. Wir einigen uns darauf, dass ich mich mit meinem Garmin primär um die Wegfindung kümmere, um weitere Extrakilometer möglichst zu vermeiden. Also geht es weiter, doch es dauert nicht lange, bis die Wegfindung wieder problematisch ist. Also eines kann ich jetzt schon sagen - die Beschilderung ist..na sagen wir mal mäßig! Ich stelle den Garmin auf eine Kartenansicht von etwa 400 Meter um und beschließe, ab sofort bei nahezu jeder Wegegabelung oder Kreuzung kurz auf die Karte zu schauen, na das kann ja was geben! Doch das bedeutet auch höchste Konzentration, und das bis ins Olgäle. Es schneit munter weiter und das Laufen wird zunehmend anstrengender. Bei Kilometer 13 rufe ich das erste mal die Crew an um sie über unsere ungefähre Ankunftszeit zu informieren, damit sie schon mal alles vorbereiten können. Es läuft gut, und so kommen wir nach vielen schönen Gesprächen untereinander bereits deutlich früher als geplant am ersten VP in Strümpfelbach an. Etwas über 16 Km haben wir da auf dem Tacho und waren gerade einmal 2:05 Stunden unterwegs, eigentlich viel zu schnell....

Remstal Spendenultra 2013 - 102

Hier wird nicht lange rum gemacht, die Trinkblasen aufgefüllt, den "Essensvorrat" aufgefüllt, einen heißen Tee getrunken und schon geht es weiter! Schon hier ein riesen Lob an die Crew, die alles bestens vorbereitet hat. Nach 2:18 sind wir wieder unterwegs - allerdings habe ich mittlerweile mein "zusätzliche" Jacke, die ich im Rucksack mit dabei hatte, angezogen - und wie soll ich sagen - ich friere...Mensch Mensch, das kann ja noch was geben! Auch auf dieser Etappe bin ich nach wie vor ohne Stöcke unterwegs, obwohl es eigentlich besser wäre. Doch da ich ständig den Garmin in der Hand halten MUSS, würde mich das doch eher behindern...und Bilder und Videos will ich ja auch noch machen, also versuche ich so lange wie nur irgend möglich ohne auszukommen. Doch an den Anstiegen rächt sich das und kostet mich immens Kraft, da ich ständig nach hinten weg rutsche. Sowieso wird das Laufen immer schwieriger und riskanter, da es auf den Feldwegen schon zu Schneeverwehungen kommt und wir es dort bereits mit über 10 cm Schnee zu tun haben, will heißen, Löcher, Spurrillen und sonst alles sind nicht mehr zu erkennen. Wir beginnen bereits jetzt ab und an nach links, nach rechts und wo sonst noch überlall hin wegzuknicken - höchste Anstrengung für die Sprunggelenke! Und auch die Wegfindung wird immer abenteurlicher, denn nach etwa 30 Km stehen wir nun schon zum zweiten male an einer Stelle, an der die offizielle Beschilderung des Weges vom offiziellen Track abweicht - herzlichen Glückwunsch liebes Touristikbüro, das ist echt der Knaller. Für uns heißt das jedesmal stehen zu bleiben, beim Garmin aus der Karte zu zoomen um zu sehen was los ist, ob sich beide "Routen" irgendwann wieder treffen oder nicht! Super! Und meine Hände freuen sich jedesmal, beißen sie doch schon jetzt wie verrückt, und das, obwohl ich drei Paar Handschuhe an habe, meine Fresse, was ein Ding hier! Uns (Georg und mir) wird immer mehr klar, dass dies wohl so ziemlich das brutalste ist, was in Deutschland jemals gelaufen wurde. Mal von der Distanz ganz abgesehen, aber alleine schon die Bedingungen sind mehr wie grenzwertig! Und Steffi? Alles im Lack, sie läuft und läuft und läuft, wie das Duracellmännchen - womit sie ihren Spitznamen bereits jetzt weg hat - sie ist unser Duracellinchen! Super macht sie das, einzig an die Nahrungsaufnahme müssen wir sie immer und immer wieder erinnern - wenn´s sonst nichts ist! Ach doch, sonst ist noch etwas, ihr Husten, den sie bereits beim Start hatte, scheint schlimmer zu werden...naja...
Ich denke an meinem Schatz Meli, die jetzt sicherlich zu Hause vor ihrem Pad sitzt, jeden Facebookeintrag mitverfolgt und sich bestimmt riesen Sorgen macht. Mein Schatz, ich liebe dich! Gut ist, dass sie durch die sehr gute Berichterstattung immer auf dem aktuellen Stand ist und ich sie nicht ständig anrufen muss, um ihr mitzuteilen, wo wir sind und wie es uns geht. Danke Olli und Team!
Wir kommen aber trotz allem weiterhin gut voran und die Stimmung ist super, keiner zweifelt am Ziel und alle denken nur an das eine - ANKOMMEN! Gut so, denn alles andere könnten wir jetzt nicht gebrauchen! Der Wind pfeift wie verrückt und es schneit weiter sehr stark, sodass es auch mit der Sicht sehr schlecht ist. Und wir haben alle mit der Müdigkeit zu kämpfen, ständige Sekundenschläfchen sind nun unsere ständigen Begleiter. Aber die Stimmung bleibt super und wir quatschen über Gott und die Welt, lachen sehr viel und haben einfach nur Spaß. Allerdings nutzen Georg und ich auch die Gelegenheit, Steffi bereits jetzt mit ein paar mentalen Tricks vertraut zu machen, die sie später sicherlich sehr gut brauchen kann. Als Beispiel nenne ich hier nur den Umgang mit der Distanz. Wir sagen ihr ständig bitte nie an die 250 Km zu denken, sondern sich die Strecke in Teilabschnitte aufzuteilen. Etwa in die sowieso geplanten Teiletappen, oder in Marathons, oder in was auch immer. Das hilft die Angst zu verlieren. Wir berichten von unseren Erlebnissen mit all ihren Problemen und davon, wie wir damit umgegangen sind. Wir sagen ihr, welche Probleme auch hier noch sicher auf sie zukommen werden und das das normal ist - und - das wenn sie sich jetzt schon darauf einstellt, es dann in der entsprechenden Situation viel leichter ist, damit fertig zu werden, da man ja wusste, das es kommt. Teilweise wundert sie sich über unsere Ausführungen, saugt aber alles wie ein Schwamm in sich auf....gut so! Aber ich friere, und wie! Und das obwohl wir noch laufend unterwegs sind und mein Puls mit etwa 100 noch einigermaßen hoch ist. Wie wird das erst - ach denk nicht dran! Ich habe allerdings eine gute Taktik zur Wegfindung gefunden, sodass uns bis zum zweiten VP in Schorndorf nach etwa 37 Km keine weiteren Extrakilometer aufgebürdet werden - gut so! Ich kündige uns etwa 30 Minuten vor unserem Eintreffen telefonisch an und gebe unsere (Steffis) wünsche durch. Georg und ich haben beschlossen, unsere Bedürfnisse komplett zu ignorieren, damit sich das Team voll und ganz auf Steffi konzentrieren kann, zumal die Möglichkeiten des Kochens sowieso sehr begrenzt sind. Um etwa 5:54 Uhr sind dann in Schorndorf und wie soll ich sagen - das Team ist der Knaller! Alles wie gewünscht vorbereitet, sagenhaft. Diesmal ist die Pause schon etwas länger, da wir uns alle kurz im Mobil aufwärmen müssen, ich ganz besonders. Um etwa 6:10 geht es weiter, auf zur dritten Etappe, auf nach Rattenharz, was etwa 17 Km bedeutet.
Es schneit munter weiter, sodass wir es mittlerweile mit einer etwa 10 - 15 cm dicken Schneedecke zu tun haben. Das macht die Wegfindung noch schwieriger, denn führen die Wege über oder zwischen Feldern hindurch, sind diese nicht mehr zu erkennen - alles ist nur noch eine riesige weiße Fläche, echt der Hammer. Und was haben wir Abweichungen zwischen Beschilderung und Track gefunden, nee nee nee! Und die Beschilderung....oftmals gibt es gar keine! UNTERIRDISCH, echt! Ohne Garmin - nicht zu machen, auch nicht ohne Schnee. Also was die sich hier erlaubt haben ist ein Witz, sonst nichts!
Allerdings tut uns das unserer klasse Stimmung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, wir nehmen die Herausforderung an! Was uns erstaunt ist, wieviele Tierspuren wir im tiefen Schnee entdecken. Wahnsinn was hier so alles unterwegs ist. Und wer hat eigentlich behauptet Tiere würden vom Menschen begangene Wege meiden? Blödsinn, absoluter Quatsch. Wir sind fasziniert von den vielen Spuren und uns sicher nach diesem Spendenlauf zur Weltelite des Tierspurenlesens zu gehören!
Was sehr schön ist ist die Tatsache, das Michael weiterhin mit dabei ist. Allerdings setzen ihm die Bedingungen doch merklich zu. Es geht weiter bergauf, berab, wir rutschen weiterhin munter durch die Gegend und das Laufen wird immer schwieriger. Aber egal, weiter, immer weiter, in den neuen Tag hinein. Denn mittlerweile wird es wieder hell, die erste Nacht ist überstanden und die Kräfte scheinen wieder in unsere Körper zurück zu kehren. Wir quatschen weiter was das Zeugs hält über die unmöglichsten Dinge und das Gesprächsniveau fängt langsam an in den Keller zu gehen ;-)!
Aber wen interessiert das eigentlich? Hauptsache Spaß haben, wach bleiben und das Ding hier weiterhin genießen, und genau das tun wir. Gut, die Wegfindung, die geht uns auf den Keks, aber sonst - alles bestens! Gegeben 8:30 Uhr rufe ich das Team an und melde Steffis Wunsch nach abgekochten Kartoffeln an. Als wir gegen 9:05 Uhr am dritten VP in Rattenharz und nunmehr gelaufenen knapp 56 Km eintreffen ist alles fertig - Weltklasse Team! Wir stärken uns, füllen die Wasser- und Essensvorräte wieder auf, wärmen uns etwas und gehen gegen 9:30 Uhr auf die vierte Etappe Richtung Straßdorf. Allerdings macht Michael, auch "Weichei" genannt, so nennen ihn die Cabanauten (ich frage mich nur warum, denn das ist er ganz und gar nicht), eine Pause. Doch sind wir glücklicherweise nicht alleine unterwegs, denn ab hier sind nun Uwe Leuschner und drei weitere Mitläufer (Etappenläufer) mit dabei, suppi!. Bevor es los geht klatschen wir uns allerdings alle ab und schwören uns dieses Ding hier zu Ende zu bringen, komme da was da wolle! Habe ich das schon mal erwähnt das es weiterhin schneit...? Nee? Tut es aber...und verdammt windig ist es auch noch...egal, das "bisschen" schaffen wir jetzt auch noch, sagt Steffi, sind ja nur noch gut 190 Km...

Remstal Spendenultra 2013 - 108


Die Wege sind weitestgehend unbefahren und unbegangen und der Schnee ist mittlerweile stellenweise sehr tief. Teilweise sacken wir richtig ein, jeder Schritt ist schwer und im Wald teilweise riskant, sind doch Steine, Äste und Wurzeln in keinsterweise zu sehen. Seltsamerweise ist Georg und ich noch gar nicht und Steffi gerade erst zweimal gestürtzt, was bei diesen Bedingungen echt an ein Wunder reicht. Und ich bin noch immer ohne Stöcke unterwegs, was allerdings nicht nur an den An-, sondern ganz besonders auch an den Abstiegen zum Problem wird. Aber gut, solange es noch so geht - ist halt blöd wenn man den Garmin ständig in der Hand halten muss. Habe ich die absolut beschissene Beschilderung und den noch ätzenderen Track eigentlich schon mal erwähnt...? Egal, weiter geht´s!

Remstal Spendenultra 2013 - 114

Remstal Spendenultra 2013 - 116

Aber mal von allem ganz abgesehen, die Landschaft hier ist echt ein einziger Traum und in Schnee gehüllt sieht das alles richtig märchenhaft aus, einfach nur wunderschön, und ob man es glaubt oder nicht, wir können es sogar in vollen Zügen genießen! Der Schnee wird weiter tiefer, doch wir kommen voran und ehe wir uns versehen heißt es wieder: Team anrufen, wünsche nennen und unseren Zustand durchgeben. Nach etwa 60 Km sagt mir Georg, dass ihm bereits jetzt die Fußsohlen brennen würden, ach du scheisse, so früh? Na das kann ja was geben, Steffi sagen wir aber von alle dem nichts, besser ist das. Um etwa 12:25 kommen wir dann zum vierten VP in Straßdorf - 73 Km sind geschafft und wir bereits über 12 Stunden unterwegs.

Remstal Spendenultra 2013 - 118

Vom Zeitplan her liegen wir richtig gut und lassen uns auch weiterhin durch nichts aus der Ruhe bringen. Das Team hat wieder ganze Arbeit geleistet und alles ist bestens vorbereitet, vorbildlich! Und die Berichterstattung auf Facebook muss auch erstklassig sein, denn der Spendenstrom reißt einfach nicht ab - das motiviert, und wie!

Remstal Spendenultra 2013 - 132

Nachdem alles wieder aufgefüllt ist und wir uns richtig gestärkt haben (es gibt wirklich alles, was man so braucht: Salzkartoffeln, Käse, Chips, Nüsse, Gummibärchen, Tee, Brühe, Brezel, echt der Hammer) geht es gegen 13 Uhr weiter. Gemeinsam, die Etappenläufer verabschieden sich undvMichael ist wieder mit dabei, jetzt aber mit Stöcken,  machen wir uns auf die fünfte Etappe über etwa 19 Km auf nach Heubach. Der Schnee wird tiefer und tiefer und das Gehen und Laufen schwerer und schwerer.

Remstal Spendenultra 2013 - 112

 

Die Anstiege sind hier echt der Hammer und kaum zu bewältigen. Es gibt Zeiten, zu denen wir gerade einmal 2 Km in der Stunde schaffen, echt der WAHNSINN! Aber gut, wir denken in keinsterweise darüber nach und kämpfen uns weiter... voran. Es schneit munter weiter und der beißende Wind preift uns nur so um die Ohren. Dick eingemummt, teilweise sind nur noch unsere Augen zu sehen, nehmen wir Anstieg für Anstieg, Schritt für Schritt. Es geht nur noch langsam vowärts, laufen ist im tiefen Schnee fast nicht mehr möglich und auch einfach zu riskant (Umknickgefahr!). Und ich, ich friere immer mehr, kein Wunder, ist mein Puls doch viel zu niedrig (75) um mich wirklich wärmen zu können! Ab und zu laufe ich die Anstiege schnell hinauf, nur um meinen Puls "künstlich" nach oben zu treiben und wenigstens für einen kurzen Moment mal nicht zu schnattern.

 

Remstal Spendenultra 2013 - 122

 

Remstal Spendenultra 2013 - 125

Hier soll es einen Weg geben....?



Remstal Spendenultra 2013 - 120

Remstal Spendenultra 2013 - 124

Steffi fängt uns an etwas Sorgen zu machen, klagt sie doch bereits jetzt über leichte Knieschmerzen am linken Knie außen....hoffentlich geht DAS gut! Wir versuchen es mit dehnen, ermutigen sie ab und an zu laufen, um die Beine "frei" zu bekommen, was sie auch schön brav macht. Überhaupt, Steffi ist echt der Wahnsinn, was sie hier leistet ist unfassbar. Und trotz Knieschmerzen und stetig schlimmer werdenden Husten, Duracellinchen ist die Ruhe selbst, "funktioniert" wie ein Uhrwerk und ist nach wie vor sehr gut gelaunt - Georg und ich kommen aus dem staunen nicht mehr raus.
Remstal Spendenultra 2013 - 126

Wo andere jammern würden hat Steffi immer ein Lächeln parat...unser Duracellinchen...
Remstal Spendenultra 2013 - 127

Wir schleppen uns weiter voran, auf den Scheuelberg hinauf! Welch ein Sturm, welch ein Tiefschnee, welch eine Kälte, welch hammerharte Anstiege! Aber auch die Abstiege haben es in sich, die ich gerne zum "kurzsprint" nutze, um einen inneren Ofen etwas auf Touren zu bringen und die Beine einmal durchzuspülen. Was die Wegfindung anbelangt so sind wir hier am Maximum des Vergnügens angekommen! Viele Wege, die hier durch den Wald führen, sind absolut nicht zu erkennen, ja noch nicht einmal zu erahnen! Oft stehe ich vor dem Rätsel: Wo geht es denn jetzt lang? Schilder, GPS-Track, ein einziges Fiasko! Welch ein Spaß! Teilweise ist es regelrecht gefährlich, denn die Bodenbeschaffenheit ist ebenfalls nicht zu erkennen, und so stolpern wir oftmals mehr vor uns hin als vernünftig vorwärts zu kommen. Ständig warnt der vorausmarschierende den Rest vor Steinen, Wurzeln, Ästen, Löchern, Mulden, Kuhlen, Spurrillen, ach, einfach vor allem! Was nun ebenfalls zunehmend zum Problem wird sind unsere seit dem Start durchweg völlig durchnässten und komplett unterkühlten Füße, wobei die Kälte ja eher "schmerzlindernd" wirkt.
Remstal Spendenultra 2013 - 130

Gegen 16:30 Uhr Uhr klingele ich dann wieder beim Team durch, um sie "auf uns vorzubereiten". Etwa 45 Minuten später treffen wir dann auch dort ein, Heubach ist erreicht und wir haben etwa 92 Km geschafft! Im Caravan wird dann ein Wort geboren, über das ich erst einmal lachen muss: Pumakäfig! Doch als ich den Grund dafür erfahre und in den "Geburtsort" gehe, nämlich die kleine Toi im Caravan, wird mir schnell klar, warum man auf dieses Wort gekommen ist! Hier werden nämlich getragene Kleider und Schuhe verstaut und zum trocknen aufgehängt - jo, eine Mischung aus Schweiß, Ammoniak (von der Fettverbrennung), Schnee, uvm....riecht DAS GEIL!!
Doch nun steht die zweite Nacht bevor, vor der sowohl ich als auch Georg bammel haben. Ich noch etwas mehr, da ich furchtbare Angst vor der verdammten Kälte habe, sind doch sage und schreibe bis zu -12 °C gemeldet! Entsprechend ziehe ich mich auch anders an und packe zusätzlich noch 2 Langarmshirts und eine Jacke drunter bzw. drüber. Schnell noch etwas essen, trinken, alles wieder auffüllen, die Batterien am Garmin tauschen, den GPS-Empfänger vom Polar an den mobilen Powerakku hängen und weiter geht´s. Nach fast 45 Minuten Pause setzen wir uns wieder in Bewegung, auf in die sechste Etappe nach Mögglingen. 21 Km warten darauf, von uns in Angriff genommen zu werden. Mit dabei sind jetzt noch Lars Sommerkind und Jimmy Alves Gomes Frazao. Die Stimmung ist prächtig und von Müdigkeit bis jetzt noch nichts zu spüren. Es geht gleich mal knackig hinaus auf den Rosenstein, von dem aus wir einen grandiosen Blick auf Heubach genießen dürfen! Welcher Couchpotato bekommt soetwas schönes schon zu sehen? Gut das wir Läufer sind...

Remstal Spendenultra 2013 - 134

Es geht weiter über den Rosenstein einen Abstieg entlang, vor dem uns Steffi schon gewarnt hatte. Kein Wunder, denn der hat es absolut in sich! Man man, das Ding hat echt schon etwas von einem Klettersteig! Aber auch das schaffen wir, wenngleich es uns unglaublich viel Zeit gekostet hat - aber - Sicherheit ging hier absolut vor! Unten angekommen geht es wieder "normal" weiter. Ach ja, ab dieser Etappe habe ich nun doch die Lekis mit dabei, zu gefährlich wäre es ohne! Aus Angst vor der Müdigkeit und dieser Nacht ziehe ich jetzt meine Geheimwaffe und schlucke alle 60 Minuten im Wechsel je ein Maxinutrition Vipergel und Riegel (stark koffeinhaltig), zu groß ist meine Befürchtung während des laufens glatt einzuschlafen! Echt geil das Zeugs, kenne ich ja schon vom KoBoLT und hat mich auch dort durch eine schwierige Nacht gebracht!
Remstal Spendenultra 2013 - 136
Remstal Spendenultra 2013 - 137

Wir sind wieder wild am quatschen und wie soll ich sagen - schwupp hat diese Nachlässigkeit wieder Konsequenzen! Bei Km 95 verpassen wir einen Linksabzeig und gönnen uns erstmal wieder einen Extrakilometer, so ein Mist, mein zweiter Fehler bisher! Glücklicherweise bemerke ich das aber recht schnell, sodass wir flux wieder umkehren und den korrekten Weg nehmen. Jetzt haben wir alles zusammen schon 4 Extrakilometer auf dem Bockel, und das nur wegen mir, Mensch Steffen, reiß dich verdammt noch mal zusammen! Das DARF dir nicht nochmals passieren. Ich berede mich kurz mit Georg und wir sind uns eigentlich schon jetzt darüber einig, in Stuttgart den direkten Weg ins Olgäle, also ohne die Extraschleife zu nehmen. Denn, selbst wenn wir uns jetzt, wovon ich absolut nicht ausgehe, nicht mehr verlaufen sollten, kämen wir so ebenfalls auf exakt 250 Km. Aber wie mit so manchem zuvor, von alledem erfährt Steffi erst einmal nichts...Duracellinchen selbst ist nach wie vor sehr gut unterwegs, und das obwohl ihre Knieschmerzen deutlich zunehmen. Kampftier eben. Einzig an das Essen und Trinken müssen wir sie ständig erinnern - wenn das alles ist! Gegen 21 Uhr rufe ich dann die Crew an, um ihr folgendes mitzuteilen: Die ersten 100 Km sind im Sack! Steffi ist überglücklich, zumal wir gerade einmal 21 Stunden unterwegs sind, und das bei diesen Bedingungen, klasse! Damit hätten wir beim Start niemals gerechnet, da dachten wir eher an gute 24 - 26 Stunden für den ersten 100er....auch das motiviert zusätzlich! Nur Steffis Husterei - die machen Georg und mir zusehens Sorgen...ihr einziger Kommentar dazu: "Weiter"! Doch trotzalledem kommen wir recht gut voran, wobei die Wehfindung, man soll es kaum glauben, immer abenteuerlicher wird! Was haben die sich dabei eigentlich gedacht, einen offiziellen Weg so SCHEISSE zu beschildern und vor allem - den Track sehr oft woanders einzuzeichnen als er in Wirklichkeit lang geht? Leute, kommt mal an den Rhein, zum Rheinburgenweg oder zum Rheinsteig, SO WIRD SOETWAS GEMACHT! Bei Km 108 stehen wir wieder vor der Entscheidung, Beschilderung oder Track folgen...nee nee nee, ohne Worte! Ich zoome einmal mehr aus der Karte und wir entschließen uns 200m zurückzugehen und der Beschilderung zu folgen. Ohne Worte, ehrlich! Trotz allem rufe ich gegen 23 Uhr beim Team an, um uns erneut anzukündigen. Um Punkt 24 Uhr halte ich dann mit Steffi kurz an, denn, na, was wohl, hm? Genau, sie hat Geburtstag!! Ich falle ihr in die Arme um unseren Duracellinchen von ganzem Herzen zu ihrem Ehrentage zu gratulieren, was dann wenige Augenblicke später auch all die anderen Mitläufer tun. Gegen 00:05 Uhr laufen wir dann auch am siebten VP in Mögglingen ein, unserem 114. Kilometer, und ich bin völlig durchgefroren! Die sechste und schwerste Etappe ist somit im Sack, YES! 

Remstal Spendenultra 2013 - 010


Remstal Spendenultra 2013 - 028

Dort angekommen verkündet man uns, das sich die Spenden seit unserem Start vor nunmehr über 24 Stunden verdoppelt haben und aktuell bei 6700 € liegen, es ist unfassbar! Das Team um Oliver Harder leistet scheinbar ganze Arbeit, was die Berichterstattung im Internet angeht, anders ist das nicht zu erklären. Und die Crew hat für Steffi sogar einen kleinen Kuchen mit Kerzen organisiert, klasse! Alle gratulieren ihr, was ihr aber irgendwie mächtig auf den Keks zu gehen scheint. Es wird sich gestärkt, die Vorräte aufgefüllt und vor allem, zumindest bei mir, sich ordentlich aufgewärmt. Ebenso versuchen wir, Steffis Knie durch eine leichte Druckmassage in den Griff zu bekommen. Ob´s was gebracht hat werden wir sehen. Auf alle Fälle pausieren wir hier ca. 50 Minuten, ganz schön lange also. Doch bis jeder mal auf der Toi war usw., das dauert halt, zumal Steffi und Georg die Schuhe und die Socken gewechselt haben. Ich selbst habe nur noch ein Shirt mehr angezogen und bin nun so dick aufgeplustert, dass ich den Trinkrucksack kaum noch zu bekomme. Da sich die Füße noch "gut" anfühlen beschließe ich dort nichts zu wechseln....Zu fünft machen wir uns dann auf die siebte Etappe, die über etwa 22 Km nach Schwäbisch Gmünd führt. Da Uwe morgen arbeiten muss, verlässt er uns hier für ein paar Etappen, verspricht uns aber, später wieder dazuzustoßen.

Remstal Spendenultra 2013 - 035

Es geht also weiter, immer weiter, und so langsam macht sich bei Georg und mir wie bereits in der Nacht zuvor erhebliche Müdigkeit breit. Georg ist sowieso momentan nicht gut drauf und bittet mich, ihn für ´ne halbe Stunde mal ganz hinten alleine zu lassen. Ihm geht es mental und vom Magen her absolut nicht so gut und scheinbar braucht er mal eine Auszeit, um mit sich selbst klar zu kommen. Steffi bekommt von alledem nichts mit und so geht es Schritt für Schritt voran. Ihr Knie hat sich übrigens nicht gebessert und auch die Husterei ist der Knaller. Dazu scheinen jetzt noch Schulterschmerzen zu kommen, was mich dazu veranlasst, ihr den Trinkrucksack abzunehmen. Ebenso übernehme ich, wenn sie nicht mehr benötigt werden, ihre Stöcke, damit sie sich ganz auf sich selbst und das Vorankommen konzentrieren kann. Bei Km 120 gibt es erneut einen kleinen Verlaufer, den ich aber bereits nach wenigen Metern bemerke, was ein Glück! Gegen 3:15 Uhr ist es dann soweit, ich rufe erneut das Team an um folgendes vom Stapel zu lassen: BERGFEST, die Hälfte ist geschafft, ab sofort wird runtergezählt! Steffis einziger Kommentar, inklusive einem breiten Grinsens: Was einmal geht geht auch zweimal.....ok!!
Georg hat sich scheinbar wieder gefangen, hat allerdings auch erste Sekundenschläfe für diese Nacht - genau wie ich. Es fällt uns zunehmens sehr schwer, die Augen offen zu halten und vor allem, uns weiter zu konzentrieren. Wir schieben uns ordentlich Koffein hinein (ich erhöhe die Viperdosis nun auf alle 40 Minuten je Gel/ Riegel) und versuchen irgendwie durch diese zweite Nacht zu kommen. Bloß nicht einschlafen, bloß nicht verlaufen und erst recht nicht stürzen, das sind meine einzigen Gedanken. Unterwegs beschließen wir beim nächsten VP gut zu essen, ordentlich zu trinken und für etwa 5 - 10 Minuten zu schlafen. Dies gebe ich auch gleich telefonisch durch, damit das Team einen halbwegs vernünftigen und ruhigen Platz finden kann. Länger wollen wir nicht ruhen, um kein zumachen der Beine zu riskieren. Weiter geht´s, noch gute 11 Km bis dorthin, WENN wir uns nicht wieder verlaufen. Meine Augen wollen einfach nicht offen bleiben und ich schiebe mir zusätzlich noch einen Activator von Sponsor rein...der scheint dann auch tatsächlich zu wirken! Gegen 4 Uhr ist das gröbste für diese Nacht scheinbar überwunden, zumindest bei mir. Steffi geht es zunehmend schlechter und auch sie hat ausser mit dem Knie und dem Husten ebenfalls mit der immensen Müdigkeit zu kämpfen. Von der Kälte rede ich erst gar nicht....mir ist es unbeschreiblich kalt und ich bibbere am ganzen Körper, und das obwohl ich sowohl vorne als auch hinten einen Rucksack habe und mit den Armen ordentlich arbeite (um den Puls hoch zu treiben)...doch das alles scheint nichts zu nutzen. Kalt, eiskalt, sibierisch kalt, zum verrückt werden....Wir schleppen uns weiter voran, und ich fluche wie ein wilder über meinen Trinkrucksack, da mir dort ständig das Kunststoffmundstück einfriert. Da nutzt es auch nichts, den Schlauch immer wieder leer zu pusten, sprich, das Wasser aus dem Schlauch in die Blase zurückzudrücken, denn ein paar Resttropfen bleiben immer und die frieren mir dann das verdammte Mundstück zu! Shit...Steffi hingegen kämpft mit ihrem langsam beginnenden Ekel gegen Gels und Riegel, sie kann das Mistzeugs einfach nicht mehr ab....komisch, geht mir genauso. Wobei eines trotzdem immer besser funktioniert: Alle 40 Minuten halten wir an, Steffi streckt uns ihren Rucksack hin, wir holen das, was sie essen soll raus, geben es ihr und sie isst es schön brav. Ach ja...Was sie nicht alles so tut um das Ziel zu erreichen! Auch auf Kartoffeln haben wir keinen Bock mehr, und so rufe ich gegen 5:30 Uhr beim Team an, um uns Nudeln mit Sauce zu bestellen. Wenn wir DIE nicht hätten....Doch als wir in Schwäbisch Gmünd ankommen finden wir sie nicht, entweder ich habe sie bei der Standortbeschreibung nicht richtig verstanden oder wir haben sie übersehen. Wir schauen links, wir schauen rechts, nichts! Gibt´s doch nicht, so eine Scheisse! Ob sie etwas ausserhalb stehen....Wir gehen weiter, einen höllischen Anstieg hinauf und - Mensch, Mensch, Mensch, vor lauter Crew suchen wieder verlaufen! Ich zoome aus der Karte und stelle fest - 500 Meter zurück und viel schlimmer - fast den ganzen Anstieg wieder runter! Aber es geht nicht anders, sonst kämen wir absolut nicht mehr auf diesen verdammten Höhenweg. Und, wie soll ich sagen - wir hatten ja fast gar keine Chance den Weg zu finden, also noch beschissener kann man ein Schild nicht anbringen, KEINER von uns hat es gesehen und der Weg geht auch nur ganz leicht links von dem den wir fälschlicherweise gegangen sind zwischen Reben und einem Gartenzaun entlang - sorry, die haben sie ja wohl nicht mehr alle! Und wo die das Schild angebracht haben....nä, ich sag jetzt besser nichts, sonst vergesse ich mich noch. Und auf dem Garmin sind solche Vergabelungen nur sehr schwer zu sehen, erst nach 1-200 Metern ist das zu erkennen, wenn die Wege sich eben weit genug voneinander entfernen....ich könnt kotzen! Gut, hilft ja nichts, wir gehen weiter, sind fix und alle, kämpfen uns erneut den Ansteig (diesmal aber richtig) hoch und - vom Team nichts zu sehen! Und jetzt? Ich beschließe, dass wir vom Waldweg ab auf eine Straße mit Namensschild gehen und dann das Team anrufen, damit sie zu uns kommen können. Ach ja, zwischenzeitlich wird es auch schon wieder hell....nur recht freuen können wir uns darüber nicht. Ich rufe die Crew an und die wundert sich schon, wo wir so lange bleiben. Ich gebe ihnen unseren Standort durch und etwa 15 Minuten später sind sie dann auch endlich da. Fast eine Stunde sind wir nun herumgeirrt und 31:15 Stunden und 141 Km sind wir jetzt insgesamt schon unterwegs, Wahnsinn! Wir fallen uns in die Arme als hätten wir uns zuvor über Jahre aus den Augen verloren ....
Steffi sitzt kaum im Caravan, gerade noch was gegessen - und - schläft wie eine eins! Ich lasse schnell den Polar-GPS ans Ladegerät hängen, um ihn etwas nachzuladen und schiebe mir derweil ein paar Nudeln rein. Georg und ich sind sowieso noch viel zu aufgewühlt...wir sagen dem Team bescheid uns nach etwa 10 Minuten wieder zu wecken...doch irgendwie...so recht pennen kann ich nicht, 5 Minuten vielleicht, und Georg geht es nicht besser. Doch die wenigen Augenblicke haben gut getan, wir essen ordentlich, trinken wie die Verrückten, tauschen die Batterien am Garmin und unseren Stirnlampen und füllen alle Vorräte wieder auf. Klamotten werden auch noch gewechselt, wobei ich alles so lasse wie es ist. Nach über 70 Minuten geht es dann wieder weiter, also gegen 9 Uhr, ab auf die achte Etappe über gute 19 Km nach Lorch. Und die Crew hat uns schon mal vor einem nicht ganz so ungefährlichen Abstieg gewarnt, für den es aber scheinbar keine Ausweichroute gibt. Also gut, auch das werden wir noch schaffen, auch wenn es nochmals allerhöchste Konzentration erfordert. Was uns nicht umbringt .....ja genau!

Remstal Spendenultra 2013 - 139

Was ja der absolute Knaller ist ist die Tatsache, das Michael noch immer mit dabei ist, Wahnsinn! Außerdem ist Jimmy noch mit dabei, sodass wir also ein wunderbares 5er-Grüppchen bilden. Und so langsam zeigt auch der neu erwachte Tag seine Wirkung, kommt doch so langsam wieder neue Kraft in unsere Körper. Und - es hat endlich aufgehört zu schneien. Nur die verdammte Kälte und der eisige Wind bleiben uns weiter erhalten. Ebenso gibt es hier mittlerweile gut begangene und/ oder befahrene Wege, sodass wir nicht mehr all zu oft durch den tiefen Schnee müssen. Auch die Wegfindung ist nun bedeutend einfacher, da die Wege nun wenigstens erkennbar sind.
Remstal Spendenultra 2013 - 140

Und dann, wir können es kaum fassen, kommt doch tatsächlich die Sonne heraus - wunderbar! Die Landschaft sieht aus wie in einem von Grimms Märchen, einfach nur wunderschön. Und nein, wir sind noch lange nicht so kaputt DAS nicht mehr wahrnehmen zu können.
Remstal Spendenultra 2013 - 143

Mensch ist das schön hier!
Remstal Spendenultra 2013 - 144

Doch die Freude hält nicht lange vor, denn, ja was wohl, ja genau, die Wegbeschilderung und der Track, ich könnte KOTZEN! Und was noch viel schlimmer ist, hier wurden scheinbar Baumfällarbeiten durchgeführt (ohne Hinweisbeschilderung oder so, nee, wozu auch?!!?!?), denn der Weg ist übersät mit Baumstämmen, sodass ein weiterkommen unmöglich ist! Haben wir den einen Holzhaufen überstiegen oder haben wir ihn querfeldein umgangen wartet nur wenige Meter weiter der nächste auf uns. Nach etwa 700 Metern beenden wir das Drama.....Ich schaue wieder auf den Garmin und wir beschließen umzukehren, um uns einen anderen Weg zu suchen. Dieser führt mehr oder weniger quer durch den Wald, ständig sacken wir tief im Schnee ein, sehen Wasserläufe nicht, in die wir dann tapsen, stolpern über Geäst, Wurzeln und Steine, es ist der Hammer und einfach nur unbeschreiblich. Aber auch das meistern wir mit Bravur.
Remstal Spendenultra 2013 - 146



Und wenig später ist ein weiterer Meilenstein erreicht - wir haben die 150 Km geschafft, das heißt, es sind "nur" noch weniger als 100 Km! Klasse - wie gehabt rufe ich das Team an, um sie darüber zu informieren. Seit etwas mehr als 35 Stunden sind wir nun schon unterwegs, echt der Hammer! Steffis einziger Kommentar: Cool, 100 Km bin ich schon mal gelaufen, das kann ich"!
Georg und ich rechnen kurz mal durch, überlegen was noch so vor uns liegt und wagen eine erste Prognose, wann wir etwa im Olgäle sein könnten. Wir liegen beide etwa gleich auf und sind uns sicher - es wird unter 70 Stunden sein, also deutlich vor 23 Uhr. Aber sagen tun wir es niemandem...zumal noch viel passieren kann, was wir natürlich nicht hoffen!
Und Steffi - wie ein Uhrwerk - nicht zu fassen! Kein meckern, kein zedern, kein einziges Wort, trotz schwindenden Kräften, höllischen Knieschmerzen und übelstem Husten. Unser Duracellinchen....
Und da ist er auch schon, der gefürchtete Abstieg. Und er ist wirklich nicht so ohne, Stufen die man nicht sieht, steile felsige Kletterpassagen, verdammt rutschige Abstiege, alles mit dabei. Aber wie gesagt, uns hält nichts auf, gemeinsam bahnen wir uns den Weg hinab, sichern uns gegenseitig ab und kommen wenig später wohlbehalten unten an. Und ganz ehrlich? Schön war´s!
Remstal Spendenultra 2013 - 150

Weiter geht es nach Lorch, und zum Glück werden die Wege wieder "begeh- und laufbarer". Apropos laufen, Steffi fällt das wegen ihres Knies immer schwerer, trotzdem versuchen Georg und ich sie immer wieder zum laufen zu animieren, und wenn es nur ein paar hundert Meter sind. Denn durch das lange gehen wird alles steif und die Beine gehen auch nach und nach zu. Also, auch wenn es weh tut - Beine, Gelenke, einfach alles muss ab und an mal ordentlich durchgetreten werden - hilft nichts! Doch Steffi geht es nun leider zunehmend schlechter, die Kräfte schwinden und die Schmerzen sowie der Husten nehmen stetig zu. Georg und ich empfehlen ihr eindringlichst, Obst und vor allem auch Proteine und Fette zu sich zu nehmen, da die Energieversorgung alleine mit Kohlehydraten nicht mehr zu machen ist. Nach etwa 37 Stunden rufe ich beim Team an um uns wie immer "anzumelden" und Hustenlöser, Brötchen, Butter, Käse, kleine Salamis, Ananas und Bananen zu bestellen.
Remstal Spendenultra 2013 - 152

Und dann, um etwa 14 Uhr, nach 38 Stunden und ca. 160 Km haben wir auch diesen erreicht, den 9. VP in Lorch. Steffi ist fertig, hat Schmerzen und kann niemanden sehen. Doch der aktuelle Spendenstand muntert dann doch auf: 8000 €, Wahnsinn! Und überhaupt erneut ein riesen Lob an das Team, welches in sehr kurzer Zeit alles gewünschte besorgen könnte, klasse!! Habe ich den Pumakäfig schon mal erwähnt? Eigentlich will ich da mal auf die Toi, entscheide mich dann aber dazu, lieber im nächsten Wald mich des Druckes zu erledigen...
Hier wird dann auch gar kein großes Tamtam gemacht, kurz die Rucksäcke aufgefüllt, Nudeln, Käse, Salamis, Hustentee, Suppe, aber auch ein dick mit Butter bestrichenes Brötchen, Ananas und Banane reingeschoben und nach "nur" 30 Minuten geht es auch schon weiter - ab auf die nun schon neunte Etappe von Lorch nach Plüderhausen über knapp 16 Km, ab zu Steffis Heimatort!
Doch bevor wir wirklich loslaufen verraten mir Steffi J. und Melanie noch ein Geheimnis, eine Überraschung, über die sich Steffi sicherlich sehr freuen wird....und nicht nur sie! Doch eines ist klar, ab jetzt ist endgültig Schluss mit Lustig, Steffis Kampf zwischen Körper und Geist beginnt...und auch für Georg und mich wird es nicht leichter...
Die Anstiege sind zwar nicht mehr so steil, dafür schwinden Steffi aber leider mehr und mehr die Kräfte. Und die Schmerzen - reden wir nicht drüber. Am übelsten ist aber ihr Husten, sie bekommt bei den Anstiegen immer schlechter Luft und oben angekommen braucht sie Minuten, um ihre Lungen frei zu husten. Ich nehme ihr erneut den Trinkrucksack ab und wir beginnen, sie die Berge hochzudrücken bzw. zu schieben. Der Kampf hat begonnen, ab jetzt ist scheinbar wirklich Schluss mit lustig, jetzt sind Georg und ich voll gefordert!
Was mich angeht so wundert es mich, weiterhin null Kraftprobleme zu haben. Ich laufe weiterhin ab und an ohne jedwedes Problem die Anstiege hoch um "warm" zu werden und alles mal durchzutreten, und das tut mir auch noch immer sehr gut. Doch der Schein trübt, denn auch für Georg und mich (mir fangen jetzt langsam die Schienbeine an weh zu tun) hat jetzt der Kampf begonnen, denn für uns beide wäre laufen jetzt bedeutend besser und leichter als zu gehen, doch Steffi kann nicht, denn bei ihr ist es genau umgekehrt, bei ihr geht laufen gar nicht - welch eine verrückte Situation. Jetzt wäre bei einem normalen Wettkampf der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich trennen würde. Doch hier geht das nicht, Georg und ich haben einen "Job" zu erledigen und sämtliche eigene Bedürfnisse und Probleme zu unterbrücken - Punkt! Wir beide brauchen etwas Zeit, um uns mit dieser neuen Situation vom Kopf her klar zu werden. Nur gut das wir noch Jimmy und Michael mit dabei haben, die Georg und mich bei der Fürsorge für Steffi tatkräftig unterstützen. Ich denke Steffi merkt von alle dem nichts und so schleppen wir sie und uns allesamt weiter über die tiefverschneite Landschaft. Es ist weiterhin kalt, eiskalt und der Wind schwirrt uns nur so um unsere Ohren...ich friere bitterlich. Doch die Moral ist weiterhin ungebrochen und der Wille stärker als die Erschöpfung, der Schmerz sowie die Müdig- und Kraftlosigkeit.
Leider erst im dunkeln, nämlich gegen 18:30 Uhr erreichen wir den 10. Verpfegungspunkt in Plüderhausen, Steffis Wohnort. Sie ist völlig fertig und möchte eigentlich nur noch schlafen. Doch hier warten auch viele Bekannte und Freunde (z.B. die Überraschung Milos, der extra für eine Etappe von weit her angereist ist und über dessen Anwesenheit wir uns alle sehr freuen, WAHNSINN!), besonders aber auch ihre Eltern auf sie! Ihre Mutter zieht mich an sich heran und sagt mir: "Ich bin ja so unendlich stolz auf Steffi, was sie hier leistet,....., aber trotzdem, ich habe Angst um sie, versprich mir das du gut auf sie aufpasst, ja?" Ich bin total ergriffen und gerührt und verspreche ihr sie gut ins Olgäle zu bringen, woraufhin wir uns in die Arme fallen....ich bin den Tränen nahe...nach über 42 Stunden und etwa 175 Km gehen die Emotionen mit mir erstmals durch...
Im Caravan wechsele ich dann die Schuhe....welch Qualen! Die Socken lasse ich besser mal an, will ich doch die völlig aufgeweichte wahrscheinliche Einheit von Socken, Haut, Eiter, Blut und Sonstigem besser gar nicht sehen - reicht ja wenn ich all das seit etwa 20 Stunden spüre! Etwa 5 Minuten brauche ich dafür...ganz schön aufgequollen die Flossen! Aber die Schuhwahl (Hokas) war bisher wohl goldrichtig, bin ich doch wegen der extrem breiten Sohle der Laufschuhe nur selten nach links oder rechts weggeknickt. Und, ich ziehe noch ein Langarmshirt, mein letztes, und noch eine Jacke an! Allerdings bekomme ich Schwierigkeiten den Trinkrucksack anzuziehen, was mir nur noch mit Hilfe gelingt - so dick bin ich mittlerweile eingepackt. Doch ich habe höllische Angst vor der dritten Nacht - der Müdigkeit und vor allem der verdammten Kälte!! Habe ich schon erwähnt mitterweile vier Paar Handschuhe anzuhaben?
Nachdem wir uns "Nachtfest" (Batterien getauscht, GPS nachgeladen, Vorräte aufgefüllt usw.) gemacht und Steffi sich einigermaßen gestärkt hat geht es wieder weiter. Unser Supporter Olli sieht nicht mehr ganz so optimistisch aus, Georg und ich versichern im aber, dass Steffi sich sicher wieder fangen und es bestimmt schaffen wird. Eine gewisse Skepsis bleibt allerdings in seinem Gesicht...
Wir aber klatschen uns ab, schwören uns auf die noch verbleibenden Kilometer ein und machen uns auf den Weg, auf die zehnte Etappe von Plüderhausen nach Schornbach über knappe 19 Km.
Remstal Spendenultra 2013 - 154

Mit dabei sind jetzt auch wieder viele Etappenläufer, von Milos mal ganz abgesehen, mit denen man sich wunderbar unterhalten und viel Spaß haben kann. Aber auch ernste Themen werden angesprochen, so führe ich ein etwas längeres Gespräch mit einem Mann vom SWR (der Name will mir nicht mehr einfallen...) über das Thema Spendenläufe, warum, für wen und wie man so etwas aufzieht und welche Möglichkeiten der Spende es dabei jeweils gibt. Er erzählt mir, nie ein richtiger Läufer gewesen zu sein und sich extra für diese Aktion hier erst frisch mit Laufklamotten und Schuhen bei Decathlon eingedeckt zu haben - total verrückt! Unbedingt wollte er hier mit dabei sein, sehen und erleben, was das für Menschen sind, die sich so für andere einsetzen. Na da ist er hier ja genau richtig ;-)!
Und mit Milos gibt es auch viel zu quatschen, und vor allem, zu lachen! Der Kerl ist einfach der Hammer! Kommt hunderte Kilometer extra wegen Steffi hier her gefahren um ein paar Kilometer mit dabei zu sein, unfassbar. Aber gut, seit dem Spendenlauf für die Bärenherzstiftung letzten Sommer kenne ich ihn ja, einfach ein toller Typ! Allerdings merken Georg und ich auch, dass Steffi zusehens genervt von all den Leuten ist, eigentlich eher ihre Ruhe braucht um mit sich selbst klar zu kommen. Gemeinsam mit Michael organisieren wir das so, dass wir eine Lücke zwischen Steffi und den anderen Läufern (außer Milos) entstehen lassen und den Mitläufern selbst für Fragen und zum babbeln zur Verfügung stehen. Außerdem können wir so Steffi weiterhin bei den Anstiegen - und zunehmend auch bei den Abstiegen unterstützen. Nicht einfach...
Nach etwa 180 Km bemerke ich, dass meine Schienbeine anfangen so richtig zu schmerzen. Shin Splint? Nee, bitte nicht, kann ich nicht brauchen. Mensch Mensch, es sind doch noch gute 70 Km, für die wir sicherlich noch gute 20 Stunden brauchen werden, Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn! Wenn ich alleine unterwegs wäre würde ich laufen und das Ding wäre nach 10 Stunden im Sack, aber so....Jammern hilft nix, eigene Schwierigkeiten zählen nicht, also weiter, immer weiter. Auch Georg sah schon besser aus und er erzählt mir von seinen tierisch brennenden Fußsohlen. Wir schwören uns auf alle Fälle GEMEINSAM ZU DRITT ins Olgäle einzulaufen, eine andere Option würde es definitiv nicht geben! Aber Steffi macht uns Sorgen, ihr Knie sticht wie Hölle, besonders bei den steilen Abstiegen, sodass Georg und ich sie ab sofort links und rechts in den Arm nehmen, um ihr Knie zu entlasten, Wahnsinn! Aber Steffi will weiter, unbedingt weiter und kämpft mit sich und den Schmerzen....Georg und ich sind sprachlos über ihren Willen und ihren Kampfgeist! Denn trotz allem, oder vielleicht gerade deshalb, haben wir nach wie vor Spaß und es gibt noch immer viel zu quatschen und vor allem auch zu lachen, gut so!
Die Zeit vergeht, die Kilometer ziehen sich und wir haben ab und an den Eindruck nicht von der Stelle zu kommen. Gegen 2 Uhr rufe ich das Team an, um unsere baldige Ankunft zu verkünden, was sie sehr wundert, da sie uns "so früh" noch gar nicht erwarten würden. Hm, waren wir so schnell? Wie dem auch sei, nach 48:30 Stunden um etwa 00:30 Uhr morgens erreichen wir dann endlich den 11. Verpflegungspunkt in Schornbach - 194 Km sind im Sack - und ich habe höllische Schmerzen an beiden Schienbeinen sowie in den Fußgelenken, na klasse! Wir machen Pause, eine lange Pause, denn auch Steffi geht es echt scheisse! Wir versuchen ihre Beine durch leichte Massage frei zu bekommen. Das Essen ekelt sie nur noch an, bekommt von selbst fast nichts mehr rein, sodass wir sie fast dazu zwingen müssen. Man merkt uns die Strapazen nun allen deutlich an, sehr deutlich sogar. Und Steffis Husten wird ebenso immer schlimmer, sie hat eine fast 20 minütige Attacke, doch leider ohne den erwünschen Erfolg, dass sich auch nur ein kleinstes Teil des Schleimes in ihrem Hals lösen würde. Wir machen uns Sorgen, gewaltige Sorgen, denn der kälteste Punkt dieser Nacht war noch lange nicht erreicht und diese tiefen Temperaturen sind pures Gift für sie. Sie trinkt viel Tee, versucht es auch mit Schleimlöser, doch all das scheint nichts zu nutzen, leider...
Georg und ich essen und trinken viel und beraten uns kurz, ob und wie es weiter gehen soll. Doch Steffi macht uns eindeutig klar - sie macht trotz Husten und Schmerzen weiter! Eine Aufgabe - absolutes NOGO! Unser Duracellinchen...
Es wird alles wieder aufgefüllt, die Batterien nochmals getauscht und der Polar GPS nachgeladen, und als ich aufstehe...oh je, was ist das, meine Fußgelenke sind geschwollen und fangen an steif zu werden. Na toll, DAS wird ja noch was...ich komme als letzter aus dem Caravan und versuche zu gehen - die Hölle! Auch der Crew fällt das auf und auch sie machen sich Sorgen, doch ich wiegle ab und weise darauf hin, dass es hier nur eine Person gibt, um die sich gekümmrt werden muss! Also, weiter! Laufen geht, aber gehen....meine Fresse, noch über 50 Km und bestimmt noch 18 Stunden, ich kann eigentlich nicht mehr gehen und müsste laufen, aber Steffi eben nicht, ...es ist der Hammer! Aber egal, ich finde mich damit ab, wir klatschen uns ab und machen uns gegen 2 Uhr weiter auf den Weg, die elfte und längste Etappe von Schornbach nach Korb über etwa 24,5 Km! Es geht wunderschöne Weinberge hinauf und der Schnee und die Lichter zaubern eine traumhafte Kulisse in die Landschaft. Zwecks Wegfindung und Entlastung meiner selbst laufe ich etwas vorweg - tut das gut! Ich bleibe kurz stehen, schaue mich um, mache die Stirnlampe aus, hole ganz tief Luft und genieße für einen ganz kurzen Augenblick die unbeschreibliche Situation, die wunderschöne Landschaft, die Lichter, die Kälte, den Schnee, es durchströmt mich ein sehr intensives Gefühl des Glückes...
Remstal Spendenultra 2013 - 158

Nur wenige Augenblicke hinter mir kommen dann auch schon all die anderen. Mit dabei Wolfgang Fredrich, Tanija Savic und Uli Kuhn und ein paar andere. Irgendwie sehen die Lichter unserer Stirnlampen in der Dunkelheit verloren aus...Wir sind wieder eine recht große Gruppe, was es aber nicht unbedingt einfacher macht. Denn wieder müssen wir sehen, dass Steffi möglichst ihre Ruhe von den Begleitern hat. Es mag zwar sehr unhöflich erscheinen, allerdings bin ich mir ziemlich sicher (Steffis Gesichtsausdrücke sprechen da Bände!!), dass sie momentan wirklich nicht an einem Vortrag über die vielen Rebsorten interessiert ist, die hier angebaut werden, wirklich nicht. Schlimm ist nur wenn es Menschen gibt, die einfach nicht verstehen wollen, dass es manchmal besser ist, es einfach mal gut sein zu lassen! Nein, immer und immer wieder wird versucht ihr ein Gespräch aufzudrücken - unfassbar, wie kann man nur so wenig Feingefühl haben - Georg, Michael und ich leisten Schwerstarbeit, um ihr einigermaßen Ruhe zu verschaffen. Und an den Abstiegen ist jetzt immer einer bei Steffi, die übrigens zu keiner Zeit um irgendeine Hilfe gebeten hatte und wirklich nur bei den ganz steilen Stücken unsere Hilfe annimmt! Nur gut, das es zunehmends flacher wird. Gegen 4 Uhr rufe ich das Team an: 200 Km sind nach 52 Stunden geschafft, wir haben "nur" noch etwa 50 vor uns!
Remstal Spendenultra 2013 - 160

Auch das Essen fällt Steffi schwerer und schwerer, den sie kann einfach keine Gels und süße Riegel mehr sehen, schon gar nicht die von Powerbar und co.! Ich gebe ihr einen normalen Müsliriegel, den sie recht gut runter zu bekommen scheint! Sind zwar etwas trocken, aber mit Wasser und Tee geht das ganz gut. Gut so, glücklicherweise habe ich noch so um die 10 Stück davon und reserviere sie gleich mal alle für unsere Duracellinchen. Die Zeit verrinnt, und wir werden immer müder...Michael bekommt übelste Hallus, sieht überall im Wald Caravans, und Georg sieht überall Tieraugen. Steffi ist auch völlig alle, und ich, jo, ich sehe überall Holzbänke mit Tischen im Gehölz die es gar nicht gibt, es ist der Hammer! Was mich nur wundert, obwohl uns ständig die Augen zufallen bin ich geistig noch voll da! Uhrzeit, zurückgelegte Kilometer, ungefähre Position, alles immer parat, erstaunlich! Wir quälen uns weiter voran, doch wird die Erschöpfung einfach immer schlimmer, trotz all dem koffeinhaltigen Zeugs, was wir ständig so zu uns nehmen. Nach 206 Km und nunmehr 53:30 Stunden beschließen wir einen Kurzschlaf zu absolvieren, es geht einfach nicht mehr anders. Ich laufe vor um eine geeignete "echte" Bank mit Tisch zu finden. Nur wenige 100 Meter weiter werde ich auch fündig, räume den Schnee von Tisch und Bank und bereite alles für ein Ultrakurzaberintensivschläfchen vor. Wenig später treffen die anderen auch schon ein. Die Etappenläufer werden instruiert, uns, um bei -11 °C nicht völlig auszukühlen, nach maximal 5 Minuten wieder zu wecken und um selbst nicht auszukühlen, in Bewegung zu bleiben und den Weg ständig auf und ab zu gehen. So machen wir es dann auch, Georg, Steffi Micha und ich sitzen kaum auf der Bank und sind quasi sofort im Land der Träume...aus dem wir dann alsbald auch schon wieder hart aber bestimmt gerufen werden. Man hat das gut getan, die zweiten 5 Minuten Schlaf seit wir unterwegs sind, also in über 53 Stunden! Und berücksichtigt man, dass wir ja um 00:03 Uhr morgens gestartet und da schon 18 Stunden wach waren, so sind das 10 Minuten Schalf in nunmehr 71 Stunden, WAHNSINN!! Und wir haben ja noch ein wenig was vor uns...wobei, es ist ja "nur" noch ein Marathon!!!
So schön der Schlaf auch war, so sehr haben die wenigen Minuten ausgereicht uns völlig auszukühlen, es ist der Hammer! Wir stehen auf und setzen uns sofort wieder in Bewegung, doch ich, und auch Steffi Micha und Georg, bibberln wie verrückt. Es ist so unglaublich kalt....die Hände beißen....ich kann es einfach nicht beschreiben, ich bin ein einziger Eiszapfen. Auch meine Lippen beginnen von der Kälte anzuschwellen und aufzuplatzen, da nutzt auch kein Labello etwas. Aber was hilft´s?

Remstal Spendenultra 2013 - 162

Ich laufe wieder etwas vor, renne wie ein Idiot um warm zu werden, was mir aber einfach nicht gelingen will. Wie auch...bei einem Puls von 76....da bleibt die körpereigene Heizung einfach abgeschaltet. Wir kommen weiter gut voran und die Stimmung steigt, als die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erscheinen! Auch die dritte und mit Abstand kritischste und brutalste Nacht haben wir überstanden, und was hatten wir Angst diese nicht zu überstehen. Doch, mit den Leuten, mit dem geilen Team geht einfach alles!
Die Wegfindung bleibt weiter schwierig, sodass ich noch immer mit dem Garmin den Leitwolf spiele .Ich laufe immer bis zum nächsten kritschen bzw. unklaren Punkt und warte dort auf die anderen. Das hat für mich auch den Vorteil, mich um meine Füße kümmern zu können, die mittlerweile so schmerzen, dass es fast nicht mehr auszuhalten ist. Beide Gräten und vor allem aber auch die Sprunggelenke sind mittlerweile so geschwollen, dass ich die Schnellspannschuhbändel schon seit längerem immer etwas gelockert habe und diese nun bereits am maximalen Öffnungspunkt angelangt sind, total bekloppt. Ich stelle fest das mir die Kälte hier weiterhilft und schiebe mir ständig Schnee und Eis in die Schuhe und auf die Gelenke (in die oberen Socken), was die Schmerzen etwas betäubt. Ich versuche mir nichts anmerken zu lassen und verrichte weiter meinen "Job".
Nach etwa 212 Km und gut 55 :30 Stunden geht es einen Abhang hinunter, bei dem es uns fast alle auf die Schnauze haut! Komischerweise regt uns das gar nicht auf, ganz im Gegenteil, wir haben sogar unseren Spaß dabei, verrückt. Die Stimmung bleibt weiter gut, Steffi ist weiterhin ordentlich Müsliriegel und so arbeiten wir uns weiter voran. Überhaupt scheint sie sich wieder zu fangen, mal von den Knie-, Schulter-, Rücken-, und sonstigen Schmerzen ganz abgesehen. Kein Jammern, kein Jomern, keine Klagen, nichts, stark die Frau! Nach 217 Km und etwa 57 Stunden sind wir auf dem Aussichtsplateau oberhalb von Korb und sind von der dortigen gigantischen Aussicht hin und weg! Und wiedereinmal wird uns klar welches Privileg es ist, Läufer zu sein und so etwas genießen zu dürfen, toll!

Trotz allen Strapazen - Gute Laune haben wir immer und lachen geht sowieso!
Remstal Spendenultra 2013 - 166


Klasse Ausblick auf Korb und die Umgebung - sogar Stuttgart ist schon zu sehen!
Remstal Spendenultra 2013 - 167

Nicht so toll ist, das Steffi immer heftiger husten muss, ihre Lungen und Bronchien mehr und mehr zu machen - sie pfeift wirklich aus dem letzten Loch! Umso mehr kommen Michael, Georg und ich aus der Bewunderung für unserer Duracellinchen nicht mehr heraus, welch ein Wille, welch ein unbändiger Kampfgeist, welch eine Schmerzresistenz! Trotzdem machen wir uns Sorgen um sie und sind froh das uns das Supporterteam, das ich gerade anrufe um unser baldiges Ankommen in etwa 45 Minuten anzukündigen meldet, das am nächsten, unserem vorletzten und elften VP Prof. Dr. Bielack auf uns wartet. Ich gebe durch das dieser sich doch bitte Steffi mal kurz anschauen soll....und bestelle außerdem PIZZA! Ja, PIZZA, schön mit KÄSE, SALAMI und TOMATENSAUCE! Boah haben wir von dem anderen Zeugs die Faxen dicke...Die Crew teilt mir außerdem mit, den Weg "speziell" markiert zu haben - ich bin gespannt! Gut ist, dass es ab hier bis zum VP bis auf einen kleinen Anstig fast nur bergab geht. Wobei Steffi schon die kleine Steigung völlig fertig macht. Sie ist von der kleinesten zusätzlichen Anstrengung schon völlig außer Atem...und kämpft und kämpft und kämpft...und ich weiche nicht von ihrer Seite.
Georg versucht derweil mal wieder, ich muss es leider so sagen, uns eine nervende Etappenläuferin, es ist die gleiche die uns schon die Rebsorten näher bringen wollte, vom Hals zu halten. Steffi will eigentlich nur noch mit ihrer "Stammbegleitung" zusammen sein und hat absolut keine Nerven mehr für irgendetwas anderes drumherum. Aber es gibt Leute, die das einfach nicht raffen wollen und scheinbar null Verständnis für Steffis momentanen Zustand haben! Ein Beispiel von unzähligen: Steffi muss mal für kleine Mädchen, ich gehe voran (aber immer nur so weit, um ihr, wenn nötig, helfen zu können), um sie in Ruhe (es braucht ja auch immer bis sie immer ihr ganzes Zeugs aus und dann auch wieder an hat) ihr "Geschäft" machen zu lassen und aufzupassen, das niemand kommt. Und wie soll ich sagen, ständig kommt dann diese eine Person zurück und will doch tatsächlich noch an mir vorbei zu Steffi und fragt mich so beim gewollten, aber von mir mit Bestimmtheit verhinderten vorbeigehen : Kann ich helfen, soll ich nach Steffi schauen....? Man, sorry, ich habe ihr das glaube ich schon 20 mal gesagt, ALLES IST GUT, DANKE!! Und wieder fordere ich sie auf, einfach mit den anderen schon mal zum VP zu marschieren, aber hey, die rafft es einfach nicht! Man, unfassbar! Steffi ist auf gut Deutsch gesagt mächtig angepisst, hat mehr wie genug mit sich selbst zu tun und zu kämpfen und bittet mich, das Team darüber zu informieren, auf den letzten beiden Schlussetappen, so leid ihr das auch tut, keine Etappenläufer mehr zuzulassen und den bereits zugesagten höflich aber bestimmt abzusagen. Gesagt getan rufe ich die Crew an, die natürlich vollstes Verständnis dafür hat. Was hat Steffi doch für ein absolut geniales Team...

Remstal Spendenultra 2013 - 038

Gegen 09:40 Uhr ist es dann soweit, ohne die "spezielle" Markierung gesehen zu haben (die war ein Weg nebenan, soviel zu der tollen Remstal-Höhenwegbeschilderung!!) treffen wir unter riesigem Beifall schneller als vom Team erwartet nach rund 218 Km und 57:30 Stunden am elften Verpflegungspunkt am Schützenhaus in Korb ein. Der Chefarzt des Olgäle, Prof. Dr. Bielack ist auch da, schaut sich Steffi an, befragt sie ein wenig und meinst nur: "Den Rest schafft sie auch noch"! Georg und ich sind beruhigt, und wie!!
Wir gehen in den Caravan und, YES, die PIZZA ist da!! Wir fallen über sie her als hätten wir seit Wochen nichts mehr zum Essen bekommen und die Stücke gehen runter....ich kann es nicht beschreiben. Es ist für uns alle wie Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten zusammen, Fett, Eiweiss, Salz, boah ist das lecker! Mal was anderes wie dieses beschissene süße Zeugs...Als uns die Crew vom aktuellen Spendenstand informiert stockt uns fast der Atem: Über 11.000 €, unfassbar, na wenn DAS nicht nochmals motiviert!

Remstal Spendenultra 2013 - 170

Wir fressen auf Deutsch gesagt wie die Scheunendrescher und greifen auch bei Salami, Käse, Salzstangen, Nüssen, ach einfach bei allem (außer bei Gummibärchen) ordentlich zu. Und wir behandeln nochmals Steffis Knie und kneten nochmals vorsichtig ihre Beine durch. Olli meint nur, sie sehe jetzt bedeutend besser aus als noch in der Nacht - gut so!

 

Remstal Spendenultra 2013 - 171

Als wir auch unsere Rucksäcke wieder mit Vorräten und alle benötigten Geräte nachgeladen haben (wir nehmen soviel mit, das wir im Prinzip ohne zusätzliche große Pause durchlaufen können), gehen wir wieder raus. Dort verabschieden wir uns von den Läufern, die uns bis hier hin begleitet haben und von denjenigen, welchen wir "abgesagt" haben und bedanken uns für ihr Kommen und ihre Unterstützung - es bringen ALLE Verständnis dafür auf, das Steffi ab hier nur mit der Stammcrew unterwegs sein möchte. Optimistisch und weiterhin gut gelaunt machen wir noch ein Gruppenbild! Auch Lars verlässt uns hier, der Mann, der über zwei Nächte mir dabei war und bei dem ich mich an dieser Stelle für seine tolle Unterstützung ganz herzlich danken möchte! Great Job!

Remstal Spendenultra 2013 - 046

Nach etwa 60 Minuten machen wir uns dann wieder auf den Weg, auf zur zwölften Etappe von Korb nach Neckarrems (etwa 15 Km), "nur" noch insgesamt etwa 32 Km liegen vor uns! Steffi rüstet jetzt auf und zieht den MP3-Player auf. Sie braucht Ablenkung von ihren Schmerzen...Mit dabei sind jetzt nur noch Michael (er ist der Knaller, hat mittlerweile selbst weit über 130 Km absolviert, sein Maximum, nur zur Erinnerung, war zuvor ein Marathon!!), Georg und ich.
Remstal Spendenultra 2013 - 048

Es geht wieder in die Weinberge, wo doch glatt, ich weiß nicht zum wievielten male, ein Fotograf von irgendeiner Zeitung auf uns lauert. Und überhaupt ist das Medieninteresse gigantisch! Mal von dem lokalen Fernsehsender am Start ganz abgesehen, berichten mittlerweile mehrere Radiosender live über diese Aktion und darüber, wo wir ungefähr gerade jeweils sind, verrückt, total verrückt! Und immer wieder treffen wir auf Leute, die uns auf diesen Spendenlauf ganz geziehlt und bewusst ansprechen, teilweise extra schon länger auf uns warten und uns zusätzliche Spendengelder in die Hand drücken, es ist der unbeschreibliche Wahnsinn! Und auch das motiviert ungemein! Spätestens jetzt ist klar, welch super gute Arbeit Steffis Leute im Hintergrund seit Stunden und Tagen leisten, WELTKLASSE!
Remstal Spendenultra 2013 - 172

Wir ziehen weiter und weiter, Schritt für Schritt, immer mehr unserem Ziel entgegen. Georg scheint es zwischenzeitlich wieder etwas besser zu gehen, was Michael nicht von sich behaupten kann. Er überlegt sich am Ausgang eines Waldstückes vom Team abholen zu lassen, da wir dort aber keinen Netzempfang haben, zieht er notgedrungen mit uns weiter. Und ich, boah, reden wir nicht drüber! Es ist schlichtweg die Hölle, es sind Schmerzen, wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nie zuvor hatte, unbeschreiblich, mörderisch! Laufen ginge, nur gehen nicht. Nur Steffi kann nicht laufen....ach das hatten wir schon....Und verdammte Scheisse, es sind noch knapp 30 Km und etwa 8 - 9 Stunden bis ins Olgäle, eine kleine Ewigkeit, wie soll ich DAS nur aushalten? Normalerweise würde ich beissen und wäre in spätestens 4 - 4:30 Stunden drin, aber so....ich könnte heulen...Ständig schiebe ich Schnee und Eis in die Schuhe und auf die Gelenke, die mitterweile übrigens komplett versteift sind, tierisch knirschen und sich nur noch wenige Millimeter bewegen lassen, nee nee nee...
Remstal Spendenultra 2013 - 174

Aber es geht weiter, immer weiter und ich versuche mich so zu geben, das Steffi von alle dem nichts mitbekommt. Sie ist es, die wir hier ins Ziel bringen müssen, koste es verdammt noch mal was es wolle!
Mit dabei sind jetzt auch wieder Uwe und Lars, worüber ich sehr froh bin. Somit sind wir von nun an also wieder mit 6 Leuten unterwegs, prima! Was wir aber glücklicherweise schon sehr sehr lange nicht mehr hatten sind Verlaufer in jedweder Hinsicht! Allerdings liegt das nicht an der nun besser beschilderten Route oder dem besser zu scheinenden Track, sondern schlicht und einfach an der hohen Konzentration und mittlerweile auch Routine, was den Umgang mit dem Garmin anbelangt. Also in dieser Hinsicht bin ich bis jetzt echt stolz auf mich, ist es doch bei den bis jetzt etwa 4 - 5 Extrakilometerchen, und das bei über 220 Km und diesen Bedingungen, geblieben. Aber gut, noch sind wir ja nicht da ;-)! Und genau hier nehmen wir auch die letzte nennenswerte Steigung in Angriff und haben somit laut Polar etwa 6100 Hm im Sack, Wahnsinn. Ich rufe die Crew an und gebe die Erstellung einer Karte auf direktem Wege von der Remsmündung, also dem letzten VP am Remseck, bis ins Olgäle in Auftrag. Wenig später geht es in Höhe von Schwaikheim über die B14 in eine Senke, wo wieder einmal Passanten auf uns warten, uns mitteilen, wie begeistert sie von Steffis Aktion sind und uns ganz sponan, natürlich gegen ein Erinnerungsfoto, eine weitere Spende überreichen. Wir sind fassungslos, wieviele Leute von diesem Spendenlauf wissen, echt! Als wir aus der Senke wieder draußen sind treffen wir nochmals auf die "Spender", die uns alles alles Gute für den Rest der Strecke wünschen und uns ganz herzlich verabschieden. Was man hier nicht so alles erlebt, unglaublich!
Doch so schön das hier auch alles ist, so sehr habe ich momentan mit mir selbst zu kämpfen. Ich laufe etwa 500 Meter vorneweg, suche mir eine Bank und setze mich nach etwa 225 Km und 60 Stunden erstmal hin. Ich fühle mich, als sei für mich alles vorbei, die Füße selbst schmerzen ohne Ende, ich habe das Gefühl jeweils eine riesige Blase über die gesamte Fußsohle hinweg je Fuß zu haben, und die Sprunggelenke, das Schienbein, es ist schlichtweg der Wahnsinn. Jeder Schritt ist wie auf Messern und die Gelenke und die Schienbeine fühlen sich an, als würde mir jemand ganz fest die Hoden zusammenpressen, unbeschreibliche Schmerzen. Es ist so schlimm, dass ich mittlerweile eine Art Schüttelfrost habe, unfassbar, mich schüttelt es am ganzen Körper....
Ich ziehe die Schuhe aus, was mir nur mit Mühe gelingt, da alles so extrem geschwollen ist, und stelle beide Füße direkt in den tiefen Schnee. Bis zu den Knien hin brennt und pulsiert einfach alles, es ist unbeschreiblich. Beide Gelenke sind jetzt fest und steif und knirschen ohne Ende. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich noch niemals zuvor in meinem Läuferleben war, trotz all der Erfahrung. Alles, wirklich alles, was ich zuvor jemals erlebt habe, ist gegen das hier absolute Pillepalle und nicht zu vergleichen. Fußsohlenbrennen bei der TTdR mit all den Kreislaufproblemen, gigantische Hitze und unzählige Blasen beim Thüringen Ultra, wunde und blutige Füße beim 24er in Reichenbach - alles nichts gegen das Ding hier. Mir gehen tausend Dinge durch den Kopf und ich weiß nicht, wie ich das noch aushalten kann und soll und vor allem, wie ich hier ins Olgäle kommen und vor allem Steffi dabei weiter unterstützen soll. Ist hier für mich Schluss, werde ich hier zu Steffis Behinderung und Last? Wenn dem so ist wäre es definitiv besser auszusteigen....
Während ich so grüble schießen die anderen zu mir auf und sehen, wie scheisse es mir geht. Sie sind alle bemüht um mich, Jimmy, Uwe, Micha, Georg und Steffi. Ich sage ihnen aber, dass sie um Himmelswillen weiterziehen und sich nicht um mich, sondern weiterhin um Steffi kümmern sollen. Sie ist es, die unbedingt ins Ziel gebracht werden muss, nicht ich. Außerdem geht es ab hier nur noch durch eine Siedlung und dann direkt an der Rems entlang bis nach Remseck, sodass die Wegfindung absolut unproblematisch und auch ohne mich machbar ist. Ich mache ihnen klar, dass hier und jetzt der Zeitpunkt für mich gekommen ist, an dem ich eine Auszeit dringend brauche. Georg bleibt noch einen Moment stehen - unsere Blicke treffen sich, und er versteht, dass ich mich jetzt einfach mit mir selbst beschäftigen muss, ein paar Minuten für mich selbst brauche - und zieht wortlos, aber mit vollstem Verständis weiter. Er weiß genau was jetzt in mir vor geht...
Das schlimme ist ja das, das ich eigentlich körperlich, geistig (also von der Wachheit und dem Denkvermögen her) und kräftemäßig absolut super und top drauf bin - wenn - ja wenn da der verdammte Mist unterhalb der Knie nicht wäre. Ich bin mental am absoluten Nullpunkt angelangt, tiefer geht es nicht und ich weiß, das sich hier und jetzt alles entscheidet. 
Ich sitze bestimmt 15 Minuten hier, hole alle Tricks der Motivation aus der Hinterkammer und versuche wirklich alles, aus dieser Krise herauszukommen. Aber ich habe erhebliche Zweifel und vor allem Angst vor Stuttgart, wenn es kein Schnee zum kühlen und zum lindern der Schmerzen gibt, weil dort alles geräumt ist. Schon verdammt oft habe ich Schmerzen akzeptiert, mich ihnen hingegeben, sie akzeptiert, weitergemacht. Doch dies hier und heute ist eine andere Dimension. Sollte hier und jetzt mein erstes DNF sein? Sollte ich hier und heute als Steffis Begleiter versagt haben? Ist hier und heute mein Körper stärker als mein Geist? 
Ok Steffen, du hast es Steffi selbst und vor allem auch Steffis Mutter versprochen auf sie aufzupassen und sie sicher ins Ziel zu bringen, du hast also noch einen Job zu erfüllen, du musst weiterhin für Bild- und Videomaterial sorgen, du bist für den vollständigen GPS-Track (von der Polar) verantwortlich den wir u.a. als Beweis ins Internet stellen wollen, wir haben es uns als Team geschworen GEMEINSAM ins Ziel zu kommen, Steffi und Co haben ohne dich momentan weder GPS noch Handy dabei was gar nicht geht, du hast NUR noch 25 Km vor dir für die du maximal noch 7 Stunden brauchst, die verdammten Schmerzen hast du jetzt sowieso, egal ob du hier aufgibst oder nicht, den anderen geht es sicherlich auch nicht besser, ....(alles schreibe ich hier nicht was ich mir noch so alles gedacht habe)...,REIß DICH VERDAMMT NOCHMAL ZUSAMMEN DU WEICHEI, NIMM DIE BEINE IN DIE HAND UND STEH AUF UND KÄMPFE ENDLICH!
Etwa 5 Minuten später bin ich wieder auf der Piste...laufend! Doch die anderen sind schon weit voraus...
Auch ich komme nun an das Ufer der Rems, womit mir klar ist, nur noch etwa 5 Km bis zum zwölften und letzten Verpflegungspunkt und somit nur noch 20 Km bis ins Olgäle vor mir zu haben!
Remstal Spendenultra 2013 - 176

Ich versuche immer etwa 800 Meter zu laufen und dann 200 Meter zu gehen, was mir recht gut gelingt. Auf diese Weise ist der Schmerz immer etwas anders und auf etwa die gleich lange Zeit verteilt. Die Landschaft ist hier ebenfalls wunderschön - ja, trotz allem habe ich dafür noch ein Auge. Doch der Weg ist hier sehr schwerlich, gilt es doch tiefe Matschpassagen über einige Kilometer hinweg zu überwinden. Und auch nach 30 Minuten ist von den anderen nichts zu sehen. Ich bekomme Panik - haben die sich doch verlaufen, oder haben sie den 2. Frühling bekommen und sind mir nun soweit voraus, dass ich sie nicht mehr einholen kann? Ich erreiche Neckarrems - und noch immer, nichts von den anderen zu sehen. Ich gehe zügig weiter, immer dem GPS-Track entlang, überquere die Rems, den Neckar und stehe plötzlich gegenüber der Remsmündung an einem Busbahnhof, hier endet der Remstal-Höhenweg - und von den anderen und der Crew - nichts zu sehen, shit...
Ich rufe das Team an, welches mir sagt, etwas neben der Strecke zu stehen und das die anderen vor ein paar Minuten von hier aus zur letzten und 13. Etappe gestartet sind. Scheisse, ich bin ziemlich alle, habe ich doch die letzten 8 Km ziemlich Gas gegeben um verlorenen Boden wieder gut zu machen und bräuchte ich doch unbedingt etwas zum trinken und essen...vor allem aber etwas mit ordentlich Koffein! Und noch viel wichtiger - ich brauche eine Karte, denn ab hier habe ich keinen Track mehr auf meinem Garmin, also schon, aber nicht den mit dem kürzesten Weg ins Olgäle. Im gleichen Augenblick sehe ich Steffi, Georg, Micha, Uwe und Jimmy den Weg entlang marschieren....sie sehen mich und ich winke sie nur weiter. Uwe bleibt allerdings bei mir....Doch die Crew ist der unbeschreibliche Hammer, fragt kurz wo ich bin und kommt wenig später mit dem von mir gewünschten bei mir vorbei! Ich könnte sie alle knutschen! Mir fällt ein Stein vom Herzen...allerdings...haben sie leider keine Karte für mich, Scheibenkleister! Die einzige existierende Karte hat Jimmy....Und jetzt? 
Das alles hat etwa 10 - 15 Minuten gedauert und mir schweifen nur so die Gedanken durch den Kopf. Ich weiß, das der schnellste Weg etwa 5 Km am Neckarufer entlang führt, dann allerdings in die Stadt hinein geht. Ich, ähm wir, also Uwe und ich, müssen sie also bis zu diesem Punkt eingeholt haben, sonst würde das mit dem gemeinsamen Finish nichts mehr geben. Ich nehme alles was ich habe in die Hände, frage Uwe kurz ob er etwas gegen "Gejomer und Gestöhne" hat, was er glücklicherweise verneint, und laufe los! Nicht sehr schnell, aber wir laufen, in einem etwa 7:30er Tempo. Zu diesem Zeitpunkt ist es etwa 14:30 Uhr. Ich stöhne, schnaufe wie eine Dampflok, habe wieder Schüttelfrostattacken, doch Steffi und Co sind einfach nicht zu sehen. Scheisse...ich habe Jimmys Handynummer nicht, und Steffi, Micha und Georg haben ihres natürlich nicht mir dabei...doch dann kommt Uwe! Bleib ruhig, ICH habe Jimmys Nummer und rufe schnell mal durch und frage sie wo sie in etwa sind. Sie sind etwa 600 Meter vor uns, sagt er - GEEEIIILLLL! Wir laufen wieder los und etwa 10 Minuten später, kurz vor der Brücke links über den Neckar, nach etwa 237 Km und 63 Stunden, sehe ich Jimmy, und etwas weiter voraus auch Steffi, Micha und Georg! Hammer, absoluter Hammer, nur wenige Augenblicke später und wir hätten uns verloren. Tausend Dank lieber Uwe, dass du dich ab dem Remseck um mich gekümmert hast!! Auf der Brücke schließen wir dann wieder zu Steffi auf, die sich riiiesig freut mich zu sehen - mit leichten Tränen in den Augen fallen wir uns in die Arme und ich entschuldige mich dafür, sie im Stich gelassen zu haben. Sie sagt nur sie hätte vollstes Verständnis und immer an mich und ein gemeinsames Finish geglaubt! Ich schwitze wie ein Ochse, gebe Uwe erstmal meine Jacke ab, wenig später auch meine zweite, mache weiter Bilder und weiche keinen Millimeter mehr von Steffis Seite.
Remstal Spendenultra 2013 - 178

Mir geht es vom Kopf her wieder richtig gut, klar, die Schmerzen, aber scheiss drauf! Sämtliche Zweifel das Olgäle zu sehen sind völlig weggeblasen. Und unsere  Duracellinchen marschiert und marschiert, wie in Trance, immer weiter dem Ziel entgegen. Sie ist zwar völlig am Ende, doch ihr Geist ist deutlich stärker als ihr Körper. Das beweist allein die Tatsache, dass sie sich, nicht zu fassen, tierisch darum sorgt, das wir VOR den magischen und von ihr doch so anvisierten 250 Km schon im Olgäle sein könnten, Mädel, sonst hast du keine Probleme? NICHT ZU FASSEN!! Ich sage ihr, dass sie sich keine Sorgen machen muss und es auf JEDEN FALL reichen wird! Obwohl - könnte knapp werden, doch das sage ich ihr nicht!
Remstal Spendenultra 2013 - 180
Auf den Asphaltwegen ist es stellenweise tierisch glatt, ja zuweilen laufen wir auf purem Eis! An diesen Stellen ist immer jemand an Steffis Seite, um sie zu stützen - nur nicht stürzen, das würde jetzt noch fehlen. Micha ist ebenfalls völlig alle und kann sich auch fast nicht mehr bewegen. Es sieht eher wie ein Entenmarsch aus...wie erbärmlich müssen wir auf andere Passanten wirken......ist aber völlig schnuppe, Hauptsache es geht weiter. Auch er denkt nicht mehr ans Aufgeben und bei Km 240 halte ich den Tross kurz an, um ihm, meinem zweiten Helden dieser Geschichte, ganz recht herzlich zu seinem ersten 100 Meiler, den er hier und heute geschafft hat, zu gratulieren. WIE GEIL IST DAS DENN? Der Mann, der vorher maximal einen Marathon gelaufen ist, unfassbar. Die Crew meldet derweil per Handy bereits im Olgäle zu sein und dort auf uns zu warten.
Remstal Spendenultra 2013 - 050

Und wir, Schritt für Schritt immer weiter...wie gesagt, wie in Trance, völlig weg, nur noch das Ziel vor Augen habend...
Remstal Spendenultra 2013 - 182

Ein letztes mal geht es über den Neckar und ein letztes mal rufe ich das Team an, um ihnen Steffis wohl letzten Kommentar durchzugeben: Wir sind jetzt zum letzten mal über den Neckar und haben noch etwa 9 Km vor uns. Umkehren wäre jetzt echt blöd...
Auf der anderen Seite angekommen dann der Schock: Die Karte zeigt uns den Weg entlang einer stark befahrenen Hauptstraße, alles gut soweit, nur, die hat absolut keinen Bürgersteig! Hä, was ist das denn jetzt bitte? Wir schauen uns die Karte genauer an, telefonieren mit dem Team und stellen fest - in Googlemaps wurde nicht Fußgänger, sondern Auto ausgewählt, na klasse! Die Karte ist für uns also mehr oder weniger nutzlos! Gut, kann passieren, die Crew ist genauso fertig und müde wie wir, shit happens! Und jetzt? Ich hole das Handy raus und schaue dort auf die Karte, wir suchen nach Umgehungsmöglichkeiten und kommen zu dem Ergebnis, dass es diese durchaus gibt, aber erneut etwa 2 Extrakilometer bedeuten würde. Gegen jede Vernunft, ich weiß, entscheiden wir uns doch die Hauptstraße entgegen der Fahrtrichtung entlang zu marschieren. Mensch werden wir teilweise heftig beschimpft...Ok ihr Autofahrer, ihr habt ja Recht, aber wenn ihr wüsstet....! Als wir nach einem guten Kilometer endlich wieder auf einem Fußgängerweg sind dann gleich der nächste Schock, die Karte, die wir erneut versuchen zu nutzen, scheint nicht ganz auf dem neusten Stand zu sein, denn hier, an der Kreuzung Löwentorstraße/ Hallschlag, ist alles umgebaut und wir haben erneut extreme Orientierungsschwierigkeiten. Auch das Handy hilft uns hier leider nicht weiter, ebenso wie der Garmin. Mensch Mensch, auch das noch, zu einem solchen Zeitpunkt so ein Mist, das braucht jetzt wirklich keiner mehr...
Ich rufe erneut beim Team an, welches uns mitteilt, doch bitte weiter die Löwentorstraße bis zur B10 entlang zu laufen. Ab da würden sie sich kümmern....Ok, machen wir!
Und dann, etwa 15 Minuten später, trauen wir unseren Augen nicht! Prof. Dr. Bielack, der ärztliche Direktor des Olgäle höchtpersönlich ist mit dem Fahrrad gekommen, um uns verrückte bis ins Ziel zu begleiten, ja es ist einfach nur der Wahnsinn! Ich kann es nicht beschreiben was in diesem Moment in uns allen vorgeht, welche immense Last da gerade von uns fällt. Der Mann ist einfach der Hammer, schon jetzt, vielen Dank für die klasse Begleitung! Der Prof sagt uns, dass es noch etwa 8 Km bis ins Olgäle wären, na gut, die schaffen wir dann auch noch, bedeutet aber noch etwa 2 Stunden, abseh- und überschaubar! Das bedeutet auch, da wir jetzt 64:30 Stunden unterwegs sind, das wir nach etwa 66:30 Stunden, also gegen 18:30 Uhr das Ziel erreichen werden. Doch diese 8 Km ziehen sich wie Kaugummi und scheinen ewig zu sein. Und, es wird wieder empfindlich kalt.
Für mich ist das ausnahmsweise mal kein Problem, ich lasse mir meine beiden Jacken wieder geben und damit ist es erstmal gut. Nur Steffi, sie friert bitterlich, sodass wir doch noch einmal das Team an die Strecke rufen müssen. Bis dahin bekommt sie vorübergehend erst einmal Georgs Weste, um uns nicht ganz auszukühlen. Nach 245 Km, also etwa 5 Km vor dem Olgäle, treffen wir dann auch auf die Crew, sodass sich Steffi dick verpacken und wir alle nochmals etwas trinken und ein paar Happen essen können. Diese Helfer, dieses Team ist einfach WELTKLASSE und UNBEZAHLBAR! Außerdem sagen sie uns, das die Spenden mittlerweile gigantische 13500 € erreicht haben...unfassbar!
Nur ein paar Minuten später ziehen wir dann weiter und es wird bereits schon wieder dunkel. Steffi ist absolut fertig, kann nicht mehr, schleppt sich nur noch langsam voran, genau wie Michael, der ebenfalls absolut am Ende ist. Beide haben schon lange ihre körperliche Leistungsfähigkeit überschritten, ihren inneren Schweinehund überwunden, den Geist schon mehrfach über den Körper siegen lassen und sich in eine Art Trance begeben. Der absolute Hammer ist, dass Steffis scheinbar einzige Sorge es ist, die magische 250 Km-Marke nicht zu erreichen, sprich, vorher das Ziel zu erreichen, nicht zu fassen, da geht es ihr so scheisse und, ach, Steffi eben!! Doch scheinen sie nun auch dessen Kampf müde zu sein - es wird Zeit, Zeit endlich das Ziel zu erreichen. Aber wie programmierte Roboter geht es weiter, Schritt für Schritt, sie und Micha sind einfach unglaublich. Und Steffi friert, trotz aller Kleidung, sehr sogar....wir weichen nicht mehr von ihrer Seite, versuchen sie warm zu rubbeln, sie zu unterstützen, reden ihr gut zu....doch von alle dem kommt bei ihr nicht mehr viel an. Sie ist einfach zu erschöpft...nciht mehr recht aufnahmefähig. Und Georg? Jo, der hat scheinbar den zweiten Frühling, läuft ab und an mal ein wenig vor um zu schauen wo es noch so hingeht, läuft dann wieder zu uns zurück, total verrückt, absolut Banane der Kerl!
Remstal Spendenultra 2013 - 190

Es ist nicht mehr weit, doch für Steffi ist jeder weiterer Meter definitiv ein Meter zu viel...jeder Schritt eine einzige Qual, und außerdem muss sie dringend mal für kleine Mädchen...kurz, es wird Zeit nun endlich anzukommen! Mittlerweile stützen wir sie links und rechts, um einen Sturz auf dem doch zum Teil noch sehr glatten Untergrund zu verhindern. Sie wäre zu erschöpft um sich noch abfangen zu können...Doch irgendwie, es geht mal rechts ums Eck, mal links in eine Seitenstraße, nur das Olgäle, das will einfach nicht auftauchen.....
Doch dann, endlich, nach 66 Stunden und nunmehr 19 Minuten, 249,8 zurückgelegten Kilometern mit über 6380 positiven Höhenmetern ist es in Sichtweite, nur noch wenige hundert Meter trennen und von im, dem Olgäle Hospital, zu dem es links in eine Einfahrt geht. Prof. Dr. Bielack fährt mit seinem Rad schon mal voran um uns dort anzukündigen.....
Remstal Spendenultra 2013 - 191

Wir sehen Steffi J. und Melanie in der Einfahrt stehen, wir hören die ersten Leute, die wir noch gar nicht sehen, klatschen... Was nun in mir und sicherlich auch in den anderen vor sich geht kann ich nicht in Worte fassen...es ist einfach nicht zu beschreiben...Wir sind knapp vorm heulen, schnappen nach Luft, ringen mit unserer Fassung...mir schießen tausend Gedanken durch den Kopf...es ist unfassbar...der ganze Körper bebt...

Remstal Spendenultra 2013 - 192

Ein letztes mal geht es links herum ums Eck und der Eingang des Spitales ist zu sehen. Ich schaue kurz auf die Uhr, 250,2 Km, 66:10 Minuten zeigt sie an...ich sage es Steffi, worauf hin sich ein breites Grinsen und eine tiefe Zufriedenheit in ihrem Gesicht ausbreitet. Wir haben noch etwa 50 Meter, und alles, aber auch wirklich alles an Schmerzen und Strapazen scheint wie mit einem Schlag vergessen zu sein. Mit jedem weiteren Schritt gen Ziel wird unsere Gefühlswelt mehr und mehr durcheinander gewirbelt...
Remstal Spendenultra 2013 - 193

Es ist unfassbar, nicht zu greifen. Unter riesigem Applaus reißen Georg und ich Steffis Arme hoch, es ist so emotional, so surreal, so unbeschreiblich, so ergreifend....Steffi J. und Melanie gehen neben uns, haben genau wie wir Tränen des Glückes in den Augen, können es einfach nicht greifen, nicht fassen. Auch Michael (170,7 KM war er mit dabei!!!!) Uwe und Jimmy sind an unserer Seite und ebenso ergriffen. Ich habe die ganze Zeit die Kamera fest in der Hand und nehme alles auf, diesen Moment, diesen Augenblick des totalen Triumpfes. Steffi, aber auch Georg und ich, haben es allen gezeigt, allen Skeptikern und Zweiflern, haben dieses absolut verrückte und unbeschreibliche Projekt tatsächlich gefinisht, nonstop, und das sogar noch in unter 70 Stunden! Noch fünf, vier, drei, zwei, noch ein Meter, FINISHT! 250,3 Km in 66:22:22 Stunden, ca. 6500 Höhenmetern und nur 10 Minuten Schlaf. YES WE HAVE! WIR, und da schließe ich ganz ausdrücklich und besonders die absolut geniale Crew mit ein., haben diese "Mission Impossible" geschafft, einer für alle, alle für einen, und jeder, wirklich jeder hat alles dafür gegeben, Wahnsinn!
Allerdings begreifen wir in diesem Moment alle noch nicht so recht, was wir da gerade geschafft haben, das dies wohl Deutschlands bisher längster und mit Abstand härtester Nonstoplauf war, den wir geschafft haben - all das ist für uns noch so unwirklich, so unbegreiflich...
Remstal Spendenultra 2013 - 217

Im Foyer des Klinikums, unter weiterhin unglaublichem Applaus der, ich schätze mal über 50 Leute, übernehmen Meli und Steffi J. unsere Heldin und bringen sie erst einmal auf die Toilette. Georg und ich aber umarmen uns und gratulieren uns gegenseitig dafür, Steffi erfolgreich ins Olgäle gebracht zu haben. Georg ist echt ein klasse Kumpel....
Als sie wieder zurück kommt soll sie in der Halle noch einmal symbolisch das Zielband durchlaufen. Sie marschiert drauf zu, bleibt 5 Meter davor stehen und sagt: Nicht ohne meine Begleiter, nicht ohne meine Supporter und ohne meine ganzen Helfer, denn ohne sie hätte ich das niemals geschafft. Es ist so ergreifend, mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Wir alle kommen zu ihr, nehmen uns in die Arme und durchlaufen GEMEINSAM das Zielband.
Remstal Spendenultra 2013 - 054

Direkt im Anschluss daran entsteht dieses absolut alles sagende Finisherbild - alle Projektteilnehmer Arm in Arm, eine Festung, eine Wand, gemeinsam waren wir unglaublich stark! Nur schade, das ein paar Helfer, so z.B. Olli fehlen, aber gut, einer muss ja schließlich das Bild für die Ewigkeit machen!! Nichts, aber auch absolut gar nichts hatte und hätte uns aufhalten können, never! Das gesamte Team, und zwar alle, auch und besonders die Leute im Hintergrund, hat absolut zusammengepasst und einen exzellenten Job abgeliefert! Erst recht, nachdem uns Olli mitteilt, das die Spendensumme nun bereits über 15000 € beträgt.
Remstal Spendenultra 2013 - 219

Mit den letzten Akkureserven meines Handys erreiche ich meinen Engel Melanie, um ihr unser erfolgreiches Missionsende mitzuteilen. Sie ist unglaublich erleichtert, sagt mir, dass sie auf Facebook ständig alles verfolgt hat, unglaublich angespannt war und fast nicht schlafen konnte und sich solch unvorstellbare Sorgen um uns und natürlich besonders um mich gemacht hat und nun überglücklich und unbeschreiblich erleichtert ist. Ach mein Schatz, meine Melanie, die für mich beste Frau der Welt, ich liebe Dich!
Es folgt was folgen muss, Presse, Radio, keine Ahnung wer sonst noch alles uns die unmöglichsten Fragen stellt, die wir natürlich bereitwillig beantworten. Und was die alles wissen wollen, hier mal ein paar Fragen, die mir gestellt wurden:
  • Wie geht es ihnen jetzt? ...jo...
  • Haben sie Schmerzen?...och...
  • Wieviele Kalorien haben sie etwa verbraucht?...ähm, laut Polar etwa 30000...
  • Haben sie wirklich nicht geschlafen?...nö, nicht wirklich...nur 2*5 Minuten...
  • Waren sie niemals müde?...och...
  • War es sehr kalt?...eijo...bei bis zu -12 °C...die Sahara war´s nicht...
  • Haben sie jemals an einen Abbruch gedacht?...no way...
  • Wie lange haben sie sich alle gemeinsam darauf vorbereitet?..gar nicht...
  • Wie hat sich das Team gefunden, aufeinander abgestimmt und speziell vorbereitet?...null...

Unzählige Fragen, ich bringe sie schon gar nicht mehr alle zusammen. Ich versuche vernünftige Antworten zu finden, wobei so manche Frage echt der Hammer ist und ich mich....naja, zurückhalten muss...Haben sie Schmerzen....nee, war ein Kindergeburtstag!!!! Ts....Aber gut, immer freundlich bleiben!

Remstal Spendenultra 2013 - 073

Diekt nach der "Öffentlichkeitsarbeit" kommt Steffis Mutter zu mir, schaut mir in die Augen, nimmt mich fest in die Arme, bricht fürchterlich in Tränen aus und sagt nur: Danke, danke das du auf meine Tochter aufgepasst und sie unversehrt ins Ziel gebracht hast! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll, hatte ich doch stellenweise genug, mehr wie genug, mit mir selbst zu tun und mich gar nicht recht um Steffi kümmern können. Aber ich sage ihr es sehr sehr gerne gemacht zu haben und was sie doch für eine klasse Tochter hat. So viel Willenskraft, Kampfgeist, Schmerzresistenz und Durchhaltevermögen, und was sie hier und heute geleistet hat, unfassbar. Sie sagt nur: Ja, das weiß ich, ich habe es schon immer gewusst, und spätestens jetzt weiß ich es erst recht! Es fällt mir schwer meine Emotionen, Gefühle und Tränen zurückzuhalten...
Als jetzt noch Steffi J. und Melanie auf mich zu kommen und mich in den Arm nehmen brechen alle Dämme - jetzt ist es auch bei mir vorbei und ich kann die Emotionen nicht mehr zurückhalten. Gemeinsam halten wir uns fest und brechen in Tränen aus...
Wenig später bittet uns Dr. Bielack, ihm in den ersten Stock zu folgen, um uns kulinarisch, medizinisch und sonst wie versorgen zu lassen. Wir verabschieden uns von Uwe und Jimmy (1000000000 Dank für alles!!!, ihr habt sehr viel für das Gelingen dieser Mission beigetragen) sowie den vielen Zuschauern, indem wir ihnen selbst Applaus spenden und uns tausend mal bedanken und gehen in einen extra für uns vorbereiteten Raum.
Remstal Spendenultra 2013 - 203

Hier legen wir erstmal ein paar Klamotten ab. Die Pflegekräfte fragen uns, ob wir eine Infussion zur schnelle Erstversorgung möchten, was Michael und Steffi dankend annehmen. Wir werden mit Pizza, frischen Kaffee, Cola, Saft, Wasser, Tee, ach, mit allem umsorgt, was man sich nur so vorstellen kann. Georg und ich schlagen dann dort lieber zu ;-)! Steffi bekommt außerdem, um ihr das atmen zu erleichtern, Sauerstoff direkt in die Nase geführt. Und dann fragen wir höflich, ob wir uns auch...unserer...Schuhe entledigen dürfen....wir dürfen.
Ich sage nur - ooohhh meeeiiinn  Gooootttt.....mal von dem pumakäfigmäßigen Geruch ganz abgesehen.... Als ich meine Flossen sehe, die riesen Blasen, die Schwellungen, die Rötungen, wird mir schnell alles klar und ganz besonders auch, woher welcher Schmerz wann und in welcher Intensität gekommen ist.....
Remstal Spendenultra 2013 - 205

Hammer, einfach nur der Hammer!
Remstal Spendenultra 2013 - 206

Ganz schön geschwollen...
Remstal Spendenultra 2013 - 207

Blasen bis auf die Zehen, eidrig, blutig, zum großen Teil offen...
Remstal Spendenultra 2013 - 208

 

Einzige Frage des Chefarztes: Und sie sind mit diesen Füßen gelaufen?
Ähm, ja, also, jo, das geht...
Und dann, ganz unvermittelt, kommen die glatzköpfigen Kinder ganz ungezwungen und ungerufen in unserem Zimmer vorbei und bedanken sich für das, was wir für sie getan haben. Sie gehen zu Steffi, Georg, Micha und mir, schauen uns mit ihren lebensfrohen Augen ins Gesicht und sagen danke....ich bin gerührt, ergriffen, es ist unfassbar, nicht zu beschreiben und mit Sicherheit einer der schönsten und tiefgreifensten Momente in meinem Leben. Diese Kinder wissen nicht genau WAS wir da gemacht haben, welche Distanz wir überwunden haben. Sie wissen aber sehr wohl, dass wir alles gegeben haben, um ihnen wenigstens ein bisschen zu helfen. Als ich ihnen in die Augen sehe ist mir klar, das wir absolut keine Probleme haben, das die Wehwehchen, die wir hatten und haben nichts gegen das sind, was diese kleinen Geschöpfe hier an Schmerz und Leid ertragen mussten und vielleicht noch müssen. Unser Stolz wird bleiben und unser Schmerz gehen - und genau das wünsche ich mir auch für diese kleinen Seelen von ganzem Herzen, dass sie bald wieder gesund werden und mit ihren dankbaren Blicken und liebevollen Lächeln diese Welt etwas schöner machen. In diesem Augenblick bin ich der glücklichste Mensch der Welt...
Wegen Steffis Husten und der pfeifenden Lunge ordnet Dr. Bielack an, Steffi in das nahegelegene Haupthaus der Klinik zum Röntgen und für eine Nacht zur Beobachtung zu bringen. Auch Michael, Georg und ich sollen mit, um unsere Füße versorgen und ein großes Blutbild machen zu lassen. Steffi J. und Melanie kümmern sich um uns und bringen uns dorthin. Ich selbst bin, genau wie Micha, nicht mehr in der Lage zu gehen, die Füße sind jetzt absolut fertig. Die Mädels organisieren Rollstühe für uns....ach ihr beiden, ihr seid einfach.....!!!!!
Dort angekommen bekommen Steffi, Georg, Micha und ich Blut für das Blutbild abgenommen und im Anschluss die Füße behandelt - wobei - außer sie mit Desinfektionsmittel zu reinigen wird da gar nichts gemacht. Hätte gedacht es würden die Blasen geöffnet und...., ach lassen wir das!! Als unsere Ergebnisse da sind wollen sie uns nicht nach Hause lassen, zu hohe Entzündungswerte, knapp vorm Herzinfakt und so, oh Mann, als ob wir das nicht wüssten und vor allem - wüssten woher das kommt!! Wir, bis auf Steffi, unterschreiben die Klinik auf eigenes Risiko verlassen zu wollen. Steffi ist so vernünftig, auch wen sie bitterliche Tränen vergießt und logischerweise lieber mit uns mitkommen würde, eine Nacht hier unter Beobachtung zu bleiben. Wir verabschieden uns voneinander...unter Tränen (wir wissen noch nicht, was mit Steffis Lunge ist) und versprechen uns, morgen, nee, es ist ja schon nach null Uhr, also heute, bei ihr in der Wohnung auf sie zu warten, um uns auf jeden Fall noch vernünftig voneinander veranschieden zu können.
Georg, Michael, Klaus und ich werden ganz schweren Herzens gegen 00:30 Uhr von Melanie in Steffis Wohnung gefahren...meine Güte brauche ich lange für die paar Meter vom Auto bis zum Eingang, die Stufen hinauf in den ersten Stock und dann bis in ihr Wohnzimmer. Obwohl, Michael ist auch nicht viel schneller. Duschen geht gar nicht, habe ich doch Schmerzen ohne Ende. Wir verteilen uns auf der Couch, quatschen noch ein wenig und vertilgen so ziemlich alles, was wir irgendwo noch finden können, vornehmlich allerdings salzige Sachen...und trinken was das Zeugs hält,...warum nur? Ich versuche erneut meinem Engel anzurufen, doch leider ist der Akku jetzt endgültig leer. Schade, ich hätte ihre liebliche Stimme jetzt so gut brauchen können....
Georg geht dann doch duschen, worum ich ihn echt beneide, ich würde ja gerne, geht aber nicht, absolut nicht. Unsere Gedanken sind bei Steffi und wir machen uns große Sorgen, was mit ihrer Lunge wohl ist. Beim Fernsehschauen schlafen wir dann irgendwie alle gegen 02:00 Uhr, nach über 92 Stunden mit nur 2*5 Minuten Schlaf, quer in Steffis Wohnung verteil, auf dem Wohnzimmerboden, im Flur und egal wo Platz ist, nach und nach ein. Doch ich schlafe sehr schlecht, wache ständig wegen den heftigen Schmerzen wieder auf, weiß nicht, wie ich mich drehen und wenden soll, ab den Knien abwärts pulsiert alles, quäle mich von links nach rechts, vom Bauch auf den Rücken - es sind Stunden der Qualen. Und ich muss heute auch noch nach Hause fahren - na DAS gibt ja ein Spaß! Wie soll ich - ach, wird schon irgendwie gehen...
So gegen 8 Uhr werde ich dann wach, Georg pennt noch, Klaus ist schon im Zug Richtung Heimat und Micha ist ebenfalls schon wach. Auch ihm geht es noch, na sagen wir mal, sehr bescheiden. Boah, und Micha muss noch bis Hamburg fahren, verrückt. Nachdem sich Micha und ich auf´s Klo gequält haben ist auch Georg wach, sodass wir alle gemeinsam frühstücken (Gummibärchen, Chips, Salzbrezel, Saft, Wasser...was halt so da ist). Und wieder machen wir uns Gedanken um Steffi, sodass Georg ihr gleich mal eine SMS schickt. Steffi meldet wenig später: Alles gut, Lunge ok, mir geht es schon wieder besser und komme gegen Mittag nach Hause! Uns fällt ein riiiiiieeeesen Stein vom Herzen....
Wir beschließen ihr zum Empfang einen Blumenstrauß zu organieren. Wie überraschend das Georg an die Tanke zur Beschaffung fahren muss....Micha und ich sind noch nicht ganz so dazu in der Lage. In der Zwischenzeit versuche ich zu duschen, ooohhh mmeeeiiinnn Goootttt! Fast eine Stunde brauche ich dazu...unfassbar. Und dann versuche ich schon einmal mein ganzes Zeugs zusammen zu räumen...ooohhh meeeiiiin ,..., ach das hatten wir schon! Gegen 12:30 Uhr ist es dann soweit, es klingelt und Steffi, Steffi J. und Sascha sind da! Als Steffi ins Wohnzimmer tritt gibt es erst einmal eine riieeeesen Applaus, den sie sich wirklich mehr wie verdient hat. Ihr geht es wirklich schon wieder deutlich besser, was uns alle sehr erleichtert. Wir quatschen noch über viele Dinge, schwelgen nach wie vor in einer riesigen Euphorie und können noch immer nicht so recht fassen, was wir hier alle zusammen geleistet haben.
So gegen 13:30 Uhr mache ich mich dann schweren Herzens auf den Heimweg. Die anderen gehen wohl noch alle gemeinsam Essen, was bei mir leider nicht geht, da ich ja wegen des defekten rechten Scheinwerfers am Auto unbedingt noch im hellen wieder zu Hause sein muss. Außerdem möchte ich auch zu meinem Schatz Meli, die so lange ohne mich sein musste, so viel Angst um mich hatte, und das alles nur weil ich hier so ein Ding durchgezogen habe. Danke mein Schatz, du bist die beste Frau der Welt!
Wir fallen uns alle nochmals in die Arme und es fällt wirklich sehr schwer, voneinander zu lassen, so sehr ist man sich in den letzten drei Tagen ans Herz gewachsen, so sehr hat man miteinander gekämpft, alles gegeben...
Es sind einfach wunderbare, großartige, tolle und liebe Menschen, egal ob Mitläufer oder Helfer, die ich hier kennenlernen durfte und nun zurücklassen muss....
Tief bewegt räume ich mein Zeugs ins Auto, steige ein, trete auf´s Gaspedal und somit die Heimreise an...
Auf der Höhe von Speyer fahre ich auf einen Parkplatz, mache den Motor aus, schließe die Augen und halte kurz inne...mir wird bewusst, wie verdammt gut es mir geht! Ich bin gesund, habe eine großartige Frau, einen tollen Job, ein Haus, ein Auto, bis auf den ungewollt unerfüllten Kinderwunsch eigentlich alles, was man sich so wünschen kann. Und ich habe das Privileg, ganz einzigartige und großartige Menschen zu kennen und wunderbare Freunde zu haben - danke!
Ein Film über diesen Lauf wird noch folgen...
Über 20.000 € Spendengelder für die an Krebs erkrankten Kinder - Da ist wirklich JEDER Schmerz vergessen. Nein, ich bereue absolut nichts und würde gerade mit diesen Leuten jederzeit wieder ein solch verrücktes Projekt unterstützen.
Dieser Lauf hat mich geprägt, er hat viel in mir bewegt und noch immer, Wochen danach, arbeitet er in mir. Unvergesslich...

Läufer:

 

Steffi Praher – Firstheadoverheelchiefexecutiveofficer (volle Distanz)
Steffen Kohler - Secondbasecameranavigator (volle Distanz)
Georg Kunzfeld - Secondheadinfrontrunner (volle Distanz)
Michael Wedemeyer - Secondsofteggparttimeofficer (171 Km)
Lars Pfitzner - Secondnightparttimeawaker (über 100 Km)
Uwe Leuschner - Secondparttimeponnytailer
Jimmy Frazao – Secondparttimeinfrontbackender

 

 

Supportmobile:

 

Melanie Krauß – Planung, Vorbereitung, Spenderaquise im Vorfeld, Administration, Logistik, Kommunikation Läufer-Team-Backoffice

Steffi Joos – Planung, Vorbereitung, Administration, Logistik, Kommunikation Läufer-Team-Backoffice

Sascha Schönwald – Planung, Vorbereitung, Administration, Logistik, Koch und Technik

Sebastian Saul – Planung, Vorbereitung, Administration, Logistik, Technik und Ersthelfer

Klaus Puchinger – GPS Controlling, Schlafdienst ;)

Backoffice (WoW-Art):

Oliver Halder – Design, Entwicklung CI, PR-Koordination, Publikationen, Pressemitteilungen, Medienkommunikation, Facebook-Moderation, Fotografie

Carina Halder – Fotografie und Fahrdienst

Björn Aicher – Design und Programmierung der Webseiten.

Print:

Michael Krauß – Flyer- und Plakatdruck

 

Ein Video folgt später

 

 
Wetter in Ingelheim
Wichtiges
Bitte spendet mit!
Steffen startet für und wird unterstützt vom
Alles rund ums Foto von Fotorista Regeneration und Eventvorbereitung: FitRabbit - Bio Performance Sport Drink Trainingssteuerung und Kontrolle: Laufcomputer von Polar Kompressionskleidung bereitgestellt von: Kompressionskleidung von Skins Wenn es mal zwickt und ziept: Wenn es zwickt - Die Physios
Danke für den Besuch!
mod_vvisit_counterHeute282
mod_vvisit_counterGestern394
mod_vvisit_counterDiese Woche4151
mod_vvisit_counterDiesen Monat16276
mod_vvisit_counterGesamt2561596