Läufers Weisheiten

Schmerz ist, wenn Schwäche den Körper verlässt! Schweiß ist, wenn die Muskeln weinen!

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Hier ein paar Hintergrundinfos des Touristikbüros rund um den Jurasteig:

Im Herzen Bayerns: Der Jurasteig
In 12 maßgeschneiderten Etappen durch die herrliche Naturlandschaft des Bayerischen Jura - das ist der neue Prädikatsweg Jurasteig!
Als 230 km langer Rundweg im Herzen Bayerns führt er über die Höhen und Täler von Donau, Altmühl, Weisser und Schwarzer Laber, Lauterach, Vils und Naab. Darüber hinaus bieten sich 17 Schlaufenwege, die von der Hauptroute abzweigen als zusätzliche Tagestouren an. Wandern am Jurasteig wird zum Wandererlebnis, garantiert z.B. durch einen hohen Anteil naturbelassener Wege, eine einzigartige, attraktive Mittelgebirgslandschaft, aber auch zahlreiche Rastmöglichkeiten und die Einbindung einer wanderfreundlichen Gastronomie in das Jurasteig-Konzept. Nicht zuletzt sorgt eine moderne, lückenlose und eindeutige Beschilderung – separat für beide Richtungen – stets für eine sichere Orientierung. Ursprüngliche Flusslandschaften wechseln ab mit mediterran anmutenden Karstlandschaften. Schlösser und Klöster liegen ebenso am Jurasteig wie Felszinnen, duftende Wacholderheiden, lichte Kiefern- und schattige Buchenwälder. Naturfreunde können am Jurasteig noch Tiere und Pflanzen beobachten, die andernorts selten geworden sind. Wanderfalke, Biber und Eisvogel haben im Bayerischen Jura noch ein Zuhause. Zahlreiche Orchideen, Karthäusernelke und Zittergras sind ständige Begleiter am Wegesrand.

So so, 12 Etappen á 20 Km, gespickt mit 7000 Hm und das nonstop, na das kann ja was werden....
Mein einziges Ziel: Finishen, egal wie, und zwar den vollen JUNUT und nicht etwa nach 101 bzw. 172 Km, was ja durch die Austiegsmöglichkeiten inklusive Wertung durchaus verlocken kann. Aber wie soll das gehen? Mein bis dahin härtester Lauf war die Tortour de Ruhr, die ja ebenfalls über 230 Km ging, das ganze allerdings flach und mit Radbegleitung! Gut, den Remstal-Höhenweg-Spendenlauf über 250 Km und benötigten 66 Stunden könnte ich noch dazu zählen, allerdings hatte der nach etwa 100 Km nicht mehr viel mit laufen zu tun (ok, bei bis zu -12 °C und 30 cm Schnee war das auch nicht leicht).

 

Aber egal wie, ich brauche diesen Lauf unbedingt als Trainings- und Erfahrungslauf für den WiBoLT, meinem Traum und Spendenprojekt 2013! Testen will ich hier auch Dinge, die ich sonst nie gemacht habe, so z.B. Schuh- und Sockenwechsel! Und, ich möchte hier ein paar technische Hilfmittel testen: Powerakku, Handy, Kopfhörer, Garmin usw.
Vorbericht:
Bereits Donnerstag gegen 12 Uhr mache ich mich auf den Weg nach Dietfurt, den Wagen bepackt wie niemals zuvor mit allem, was man so brauchen könnte - das Auto fährt´s ja ;-)!

 

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Gegen 16:30 Uhr bin ich da und finde, dank Gerhard Börners hervorragenden Homepagepflege mit entsprechenden Anfahrtsbeschreibungen sofort das JUNUT - Headquarter! Und endlich, endlich darf ich Gerhard mal persönlich kennenlernen! Und wie soll ich sagen, der Mann ist einfach nur GRANATE! Ein toller Typ und unglaublich sympatisch, ein Ultra eben ;-).

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Ich hole die Startunterlagen ab, zu denen hier außer einem Funktionsshirt (ENDLICH mal eines in der Langsarmversion!!) noch ein klasse und hochwertiger Alutrinkbecher mit Karabiner und ein Buff gehört - klasse! Und wer mir da alles so über den Weg läuft: Tom Eller, Georg Kunzfeld, Michael Wedemeyer (der mir gleich mal erzählt das hier auch Steffi Praher am Start sein wird, ja wie geil ist das denn bitte!!!), Michael Frenz, Guido Huwiler und und und! Das große HALLO eben, wie so oft.
Dann beziehe ich in meiner gebuchten Pension Quartier für eine Nacht, und wie sollte es auch anders sein, viel meine Wahl dem Anlass entsprechend auf die Jurasteig-Pension! Und auch hier, alles sehr locker und freundlich! Das Zimmer ist angenehm, geräumig und ich frage mich, wie das für nur 22 € inklusive Frühstück gehen soll. Dann packe ich meine 3 Dropbacks...(einen für Km 76 in Matting, einen für Km 135 in Schmidmühlen und den letzten für Km 195 in Deining) welch ein Drama! Was räume ich wo rein, welche Klamotten brauche ich wo, welche Streckenteile passiere ich voraussichtlich nachts, und, welche Schuhe nach wieviel Kilometern.....? Egal, nach guten 30 Minuten bin ich endlich fertig ;-).
Ich rufe meinen Schatz an um ihr zu sagen das ich gut angekommen bin und mache mich auf den Weg zum Gasthof Stirzer, in dem die Pastaparty stattfindet. Als ich um etwa 18:50 Uhr dort eintreffe ist es schon brechend voll, echt der Hammer, und ich finde nur noch in einem kleinen Seitenteil ein Plätzchen. Und wen treffe ich da? Bianka Schwede, die sich ebenfalls nach dem 100er letzte Woche nun die kompletten 230 reinziehen will. Auch Jürgen Baumann, Dieter Ladegast, Joachim Siller, Nicola Wahl, Andreas Löffler....soll ich weiter machen.....sind da!
Vor dem Briefing heißt es erst einmal die Glykogenspeicher ordentlich zu füllen, und so eröffnet Gerhard zur Freude aller das Buffet! Und was ist das lecker!! Drei Sorten Nudeln, zig Sorten Saucen, ein klasse Salattisch - einfach nur der Hammer! Dazu gönnt man sich das Ultraläufergetränk überhaupt - alkfreies Weizen ;-)!
Als wir alle gesättigt sind beginnt Gerhard dann mit dem Briefing, erklärt uns die Beschilderung, erläutert uns die zusätzliche Nachtmarkierung mit Reflektoren und weißt uns auf etwaiige Gefahrenstellen hin. Ebenso erklärt er uns das Ausstiegsprozedere (brauche ich hoffentlich nicht) und gibt uns jede Menge andere nützliche Infos - Mensch hat der sich Gedanken gemacht, HAMMER!
Als er gegen 21 Uhr mit seinen Ausführungen am Ende ist löst sich der ganze Haufen recht schnell auf, klar, will doch jeder nochmal erdentlich Schlaf tanken. Ich zahle meine 2 Weizen und falle aus allen Wolken, ja die Pastaparty war ja im Startgeld inklusive, nee nee nee, was soll ich da noch sagen außer - suppa Gerhard!
Es geht in die Pension und dort direkt ins Bett. Ok, zuvor lege ich noch die Laufklamotten zurecht...

 

JUNUT 2013 - 010

 

Ich schlafe schlecht, 1000 Dinge gehen mir durch den Kopf und quäle mich dann gegen 6:45 Uhr aus dem Bett. Morgentoilette, Laufgepäck fertig machen (Trinkrucksack kontrollieren, Wasserblase füllen, usw.) und mache mich schon mal lauffertig. Dann geht´s zum Frühstück, bei dem ich 3 Brötchen, ordentlich O-Saft und ein paar Tassen Kaffee verdrücke!
Nach dem Bezahlen geht es ab ins Headquarter, um meine Dropbacks abzugeben - hoffentlich habe ich an alles gedacht und vor allem die Ersatzlaufschuhe jeweils an der richtigen Stelle platziert...

JUNUT 2013 - 016

 

Es herrscht allgemeiner Trubel und doch eine gewisse Gelassenheit, man weiß eben was auf einen zu kommt und hat es rundherum mit alten erfahrenen Haudegen zu tun, Läufern, mit denen man schon so manchen Kilometer gemeinsam bewältigt hat.
Etwa 20 Minuten vor dem Start geht es dann so langsam Richtung Rathausplatz, von wo aus der ganze Trupp auf die Resie geschickt wird. Es gibt 2 Startgruppen, die "langsamen", die um 10 Uhr starten und zu welchen ich gehöre, und die schnellen, die um 14 Uhr auf die Strecke geschickt werden.

 

 

JUNUT 2013 - 021

Nach einer kurzen Ansprache des Bürgermeisters werden wir super pünktlich von selbigem auf die Strecke geschickt - 230 Km liegen vor mir - gespickt mit ca. 7000 Höhenmetern - ich bin gespannt!

JUNUT 2013 - 032

 

Der Lauf:
Gleich zu Beginn gibt es einige Lacher - erstens übersieht Tom Eller vor lauter Sonnenbrille den Blumenkübel auf dem Bürgersteig und stürzt fast drüber - und zweitens übersieht die Hälfte des Starterfeldes nach nicht mal 1 Km einen Abzweig...geht ja lustig los! Ich habe gemischte Gefühle, will noch keinen so rechten Rythmus finden...aber gut, wie auch nach erst 1 Km...
Die erste Etappe führt uns nach Reidenburg und ist gleichzeitig die zweitlängste dieses Junuts. Es geht gleich entlang wunderbarer Waldwege mit knackigen Anstiegen durch wunderschönste Natur, die scheinbar nicht nur uns Läufern, sondern auch den Rehen sehr gefällt, die hier unseren Weg kreuzen und scheinbar schwerelos die Hänge hinaus zu fliegen scheinen.

 

JUNUT 2013 - 036

Aber was ist das denn jetzt bitte....ich muss doch tatsächlich bereits jetzt für große Jungs, wäre ja weiter nicht schlimm, nur, wozu habe ich mir kurz vorm Start den Hintern mit Vasiline eingeschmiert? Egal, hilft ja nix.....In Deising geht es dann erstmals über die Altmühl bzw. den Main-Donau-Kanal, bevor es dann zum von Gerhard schon angekündigten "Beschilderungswechsel" kommt.

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Wir folgen nun nicht mehr dem Jurasteig, sondern für eine ganze Weile dem Altmühl-Panorama-Wanderweg, der seinen Namen nicht ohne Grund hat! Immer wieder dürfen wir hier die herrlichsten Ausblicke auf das wunderschöne Altmühltal bewundern, herrlich! Wir sind zu diesem Zeitpunkt eine tolle Truppe, zu der neben Jürgen Baumann auch noch Georg Kunzfeld, Michael Wedemeyer und Bianka Schwede gehören. Eigentlich alles gut und schön, doch scheint mir das eingeschlagene Anfangstempo doch etwas hoch...und den rechten Laufrythmus scheine ich auch noch immer nicht gefunden zu haben...und mein Bobbes brennt jetzt schon wie bolle, na klasse, denn bis zum Dropback dauert es noch eine ganze Weile.... Hm, mal sehen wie es noch so wird...
Wir laufen vorbei an den ersten Felsformationen und Burgruinen, bevor wir kurz vor Gundlfing das zweite mal den Kanal überqueren. Wieder geht es auf den Berg hinauf und wieder gibt es herrliche Ausblicke auf das Tal.

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Nach etwa 3:30 Stunden geht es dann erneut über die Altmühl und wir erreichen, nach etwas Suche, den ersten Verpflegungspunkt in Riedenburg, der in der dortigen Touristeninformation untergebracht ist.
Dort gibt es alles was das Läuferherz begehrt und mir wird hier schon klar, das ein eventuelles nicht ankommen im Ziel garantiert NICHT an der Verpflegung liegen wird.
Etwa 15 Minuten später, gut gestärkt, geht es wieder auf die Strecke, auf den Teil, den uns Gerhard als einen der schönsten des Junut angekündigt hat, nämlich der zweiten Etappe über etwa 23 Km nach Kehlheim.
Und er sollte absolut recht behalten, denn Jürgen und ich, mit dem ich jetzt alleine unterwegs bin, kommen kaum voran, so schön ist es hier und so viele Bilder wollen unbedingt geknipst werden. Und da wir beide nur ankommen wollen und keinerlei Ambitionen auf irgendwelche Platzierungen oder Zeiten haben machen wir auch sehr oft von der Kamera gebrauch.

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Wenig später geht es wieder über den Kanal, bevor es hinauf zum Schloss Prunn geht. Und auch hier, fantastische Ausblicke auf das wunderschöne Tal.

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In Weihermühle geht es dann über eine wunderbar geschwungene Brücke, bevor es eine ganze weile entlang des Kanales entlang geht.

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Hier lassen wir es wunderbar laufen und wir kommen weiter gut voran, viel zu gut, wie Jürgen und ich meinen, aber momentan läuft es gut, und warum sollte man sich da ausbremsen...
Nach knapp 6 Stunden und etwa 42 Km verlassen wir dann die Altmühl, um durch den Wald quer herüber Richtung Donaudurchbruch zu laufen. Und auch hier gleich zu Beginn ein herrlicher Blick hinunter zum Tal, direkt auf das Kloster Weltenburg.

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Wenig später geht es für einige Kilometer direkt am Donauufer entlang bis nach Kehlheim, wo uns viele Fußgänger begegnen und uns teilweise nach unserer Startnummer befragen. Die Reaktionen darauf, das wir den kompletten Jurasteig nonstop erlaufen wollen sind echt der Hammer ;-).

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In Kehlheim geht es dann Donaudamm links ab durch die wunderschöne Altstadt zur Altmühl bzw. zum Main-Donaukanal, an dem dann auch der zweite VP auf uns wartet. Gut 7 Stunden sind wir hier unterwegs und wieder, welch eine top Verpflegung! Wir langen ordentlich zu, füllen unsere Rucksäcke auf und machen uns erneut etwa 15 Minuten später wieder auf den Weg. Es geht auf die 3. und mit 27,4 Km auch längsten Etappe Richtung Matting, wo es auch die erste Cutoff-Zeit gibt. Aber so wie wir unterwegs sind ist das wohl eher kein Problem, denn bei den beiden ersten VPs kamen wir gerade zur "Öffnungszeit" dort an.

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Doch bevor es wieder so recht auf die Strecke geht rufe ich meinem Schatz Meli an, um sie über meinen Zustand zu informieren. Noch fühle ich mich ja gut, wobei ich noch immer nicht den rechten Laufrythmus finden will - total verrückt. Ich verspreche ihr mich noch einige male von der Strecke zu melden und wünsche ihr schon jetzt eine gute Nacht.
Für uns geht es nun weiter den Goldberg hinauf, auf welchem wir erneut eine grandiose Aussicht, diesmal auf die Mündung der Altmühl/ des Main-Donau-Kanales in die Donau bewundern dürfen.

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Die Wegstrecke wird deutlich anspruchsvoller, führt sie doch durch teilweise sehr tiefe und extrem vermatschte Furchen, die scheinbar riesige Forstfahrzeuge hier hinterlassen haben. Laufen ist hier in den meisten Fällen unmöglich, selbst gehen fällt schwer, besonders auch deshalb, da wir ständig über frisch gefällte Bäume klettern müssen.

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Aber egal, uns stört es nicht, sorgt das doch für eine wunderbare Abwechslung und eine gute "Aktiverholung". Kurz vor Kapfelberg ist auch dieses Waldstück überstanden und es geht über Felder entlang zurück zur Donau, die wir dann wenig später in Poikam überqueren.

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Mittlerweile neigt sich der Tag dem Ende zu und wir beschließen die Stirnlampen heraus zu holen.
In Bad Abbach stoßen wir dann auf Klaus Wanner, der sichtlich Schwierigkeiten hat, den Weg zu finden.
Auch Jürgen und ich müssen unseren Garmin zur Hilfe nehmen, doch finden wir dank diesem den korrekten Weg schnell und sind nun zu dritt unterwegs. Mal ganz davon abgesehen, das ich schon mit Jürgen Baumann ganz tolle Gespräche hatte und wir uns läuferisch traumhaft ergänzen, trifft dies auch voll und ganz auf Klaus zu. Wir drei sind komplett auf einer Wellenlänge und harmonieren sehr gut zusammen.Die Zeit und die Kilometer vergehen wie von selbst und so erreichen wir nach 11:30 Stunden den 3. VP im Feuerwehrhaus in Matting, nach 76 Km, dem ersten Cuttoff-und Dropback Punkt.

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Hier stärke ich mich nicht nur, sondern schmier mir auch meinen schon recht wunden Hintern ordentlich mit Vasiline ein. Frisch erholt geht es dann etwa 30 Minuten später wieder auf die Piste, erneut mit Klaus und Jürgen an meiner Seite. Und hier wartet gleich ein echter Knaller auf uns, nämlich die Donauüberquerung im Schlauchboot, ohne jedes Licht - welch ein Abenteuer!

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Gerhard, was du uns nicht alles bietest, klasse!
Nach nunmehr 12 Stunden unterwegs geht es für uns dann weiter Richtung Schönhofen, dem 4. VP und der mit nur 9 Km kürzesten Etappe.
Und wie soll ich sagen, das darf doch wohl nicht wahr sein, frisch den Allerwertesten eingeschmiert und ich muss schon wieder, na DANKE auch! Und ich habe vergessen Vasiline am VP einzupacken, bin ich ein Idiot! Egal, nutzt ja nichts, ich verrichte mein Geschäft und weiter geht´s! Der Weg führt jetzt die Mattinger Hänge hinauf und bis auf ein kurzes Stück fast ausschließlich durch den Wald, bevor wir nach etwas mehr als 85 Km und 13:45 Stunden in Schönhofen ankommen. Mensch sind wir schnell unterwegs...Als wir dort eintreffen macht sich Bianka Schwede mit 2 Begleitern schon wieder auf den Weg - man ist die flott unterwegs.

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Und, wie bei allen VPs geben wir den dortigen Supportern unsere Startnummern durch, die zur Kontrolle notiert werden. Wie es aussieht sind wir irgendwo im Mittelfeld positioniert, womit wir voll und ganz zufrieden sind (zumal es für mich sowieso nur ein Generaltest und Probe- sowie Trainingslauf für den WiBoLT ist). Wir halten uns auch gar nicht lange auf, essen ein wenig Fettbrot, trinken gut und machen uns nur Minuten später wieder auf die Socken. Auf nach Pielenhofen, dem 5. VP und der Zielankunft für die "Bambiniläufer" über 101 Km. Knapp 15 liegen bis dahin noch vor uns, also dann!
Der Weg ist in der Nacht übrigens um einiges leichter zu finden als am Tag, hat Gerhard doch in den des Nachts zu durchlaufenden Abschnitten Katzenaugen angebracht, die schon hunderte Meter im Voraus zu erkennen sind, genial!
Es geht erst über die A3 und dann ein Stück die Naab entlang, bevor wir durch den Pielendorfer Wald
nach 16:30 Stunden die Klosterwirtschaft in Pielenhofen erreichen und es steht somit fest - kein DNF mehr, gibt es hier doch die Möglichkeit das Ziel der Bambiniläufer zu nuzen und frühzeitig auszusteigen....aussteigen? Nee, warum denn?

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Die Verpflegung ist hier einmal mehr der Knaller, weshalb wir uns auch etwas länger dort aufhalten - ich meine - frisch geschmierte Wurst- und Käsebrötchen früh morgens um 2:45 Uhr hat schon was, oder nicht?
Nach fast einer halben Stunde geht es dann weiter, auf zur nächsten Etappe über 11 Km zum VP 6 nach Dallackenried. Der Weg führt weiter durch schöne Wälder entlang der Naab, bevor es dann kurz nachdem wir in Heitzenhausen selbige überqueren wieder heftig bergauf geht. Wir sind nach wie vor zu dritt unterwegs, bestehend aus Jürgen, Klaus und eben mir. Komischerweise fangen mir meine Füße an weh zu tun, woraufhin ich beschließe, in Schmidmühlen, da ist der nächste Dropback, sowohl die Schuhe, als auch die Socken zu wechseln. Dies wollte ich sowieso für den WiBoLT vorab schon mal testen, bin ich doch bis dato immer ohne irgendeinen Wechsel alle Läufe durchgelaufen. An diesem Anstieg kommt auch Jin Cao von hinten angebraust, ohne Trailschuhe, ohne Stöcke, fragt kurz wer wir sind, begrüßt uns, um dann, als sei es nichts, ohne jedes Schnaufen den Berg hinauf zu rasen - unfassbar dieser Mann! Wir gehen weiter mit unserem altbewährten "Stockeinsatz" des Weges, sind uns aber kurz unsicher, den erwarteten VP 6 verpasst zu haben. Wir entscheiden uns, sollten wir diesen die nächsten 30 Minuten nicht erreichen, dies Gerhard Börner zu melden, um uns von diesem VP sozusagen abzumelden. Allerdings müssen wir dies nicht tun, da wir in der Morgendämmerung nach etwa 19:30 Stunden, also um 5:30 morgens, das dortige Feuerwehrhaus erreichen.

JUNUT 2013 - 123


Jin ist schon lange dort und bereits am aufbrechen, als wir dort eintreffen - unfassbar! Komischerweise treffen wir seit den letzten 3 Vps auch immer wieder auf Tom Eller, der wohl nie wirklich weit von uns weg zu sein scheint. Aber zurück zu Jin, der hat uns doch tatsächlich auf den ersten 112 Km 4 Stunden abgenommen....nee, nee, nee...
So, die erste von 2 Nächten ist damit überstanden, und glücklicherweise hatte ich da keinerlei Probleme mit der Müdigkeit - auch ohne jede geziehlte Koffeinzufuhr - gut so!
Um etwa 5:45 Uhr machen wir uns dann weiter auf auf die 22 Km lange Etappe Richtung Schmidmühlen, dem 7. VP, Dropback- und Cutoff-Punkt. So langsam tun mir doch die Gräten weh, wahrscheinlich wegen der 2 paar Socken, die ich an habe (Druckschmerzen). Oder liegt es doch an den Trailschuhen....?
Wie dem auch sei, dort werden in jedem Fall Schuhe und Socken gewechselt, dann wird es ja hoffentlich besser, denn da warten die Hokas auf mich, was ja bekanntlich laufen wie auf Moos bedeutet. Während Klaus und ich zunehmends mit uns selbst kämpfen müssen, erlebt Jürgen wohl seinen 2. Frühling, sodass er kurz nach Traidendorf definitiv zu schnell für uns wird und wir ihn ziehen lassen - gut, er hat ja "nur" für die 172 Km gemeldet und entsprechend "nur" noch etwa 55 Km vor sich - oh, das bedeutet aber auch für Klaus und mich - BERGFEST - ab jetzt wird herunter gezählt, was einmal geht geht auch zweimal, YES!

JUNUT 2013 - 125



Als wir über das freie Feld laufen beginnt es leicht zu regnen, was uns aber nicht weiter stört, hört es doch recht schnell wieder auf. Hier macht sich der Plastiküberzieher mit Kampuze bezahlt, den Meli und ich aus unserem letzten Irlandurlaub mitgebracht haben! Extrem Platz sparend zu transportieren und extrem schnell übergezogen - und zwar inklusive Trinkrucksack, so bleibt auch dieser wunderbar trocken. Wir kommen, wenn auch seit längerer Zeit nur gehend, doch gut voran und nach etwa 130 Km, kurz vor Dietldorf, verkünde ich Klaus ganz happy: Wir sind 2-Stellig, "nur" noch 99 Km, YES!

JUNUT 2013 - 126



Doch so recht freuen können wir uns nicht, denn uns brennt beiden gehörig das Hinterteil, mal von den Füßen ganz abgesehen. Ich rufe erneut meinen Schatz an um sie über alles auf dem Laufenden zu halten, ach ist das schön und tut das gut sie zu hören....
Jetzt scheinen sich die Kilometer doch ordentlich zu ziehen, doch was hilft es.....nichts! Doch nach etwa 23:30 Stunden ist es geschafft, wir sind am VP 7 im Sportheim des SV Schmidmühlen angekommen, was ein Glück! Aber hey, in 24 Stunden 135 Km, nicht schlecht! Doch die Freude hält ob der Schmerzen an den Gräten und dem Hintern nicht lange, und so widme ich mich erst einmal diesen beiden Problemen. Jürgen ist auch schon da, bricht allerdings gerade auf, als wir uns setzten, um uns mit Nudeln mit Tomatensauce und Suppe zu stärken. Ich kann mich nur wiederholen - welch eine fantastische Verpflegung!!

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Eine gute halbe Stunde später geht es dann auch für mich wieder weiter, gemeinsam mit Tom und Klaus. Tom spielt schon mit dem Gedanken bei Km 172 raus zu gehen, da er sich absolut nicht mehr gut fühlt und sich für seinen Lauf nur eine Woche später lieber schonen möchte. Für Klaus und mich steht weiter fest - bis zum bitteren Ende, egal wie, Punkt!
Also geht es nun Richtung Hohenburg auf die etwa 15-Km lange Etappe zu unserem 8. VP!
Doch nur wenige Km später bemerke ich, dass mein Fuß ständig im Schuh herum rutscht, ja was ist das denn jetzt bitte? Hoffentlich wird das nochmals besser mit der Zeit.....gibt es doch gar nicht, der Schuh ist gebunden wie immer, ja woran kann das denn liegen? Mir schwant was los ist, die Socken wurden scheinbar noch nie gewaschen, na super: Wir gehen (Tom, Klaus und ich) weiter die nächsten Anstiege hinauf und die Rutscherei wird einfach nicht besser.Sche..e! Aber was tun, nochmals zurück? Ich schaue auf die Uhr, das würden 6 Km bis zum VP, also 12 Zusatzkilometer insgesamt bedeuten, also mindestens 2 Stunden und massig vergeudete Kraft.Und, ich müsste wieder die alten Socken anziehen....was also tun....?
Ich bemerke bei einem Bergabstück, welches wir laufen, das wenn ich auf dem Mittelfuß laufe, fast nicht mehr in der Socke herumrutsche....wenig später beim gehen am nächsten Anstieg rutsche ich wieder....hm...
Eigentlich wollte ich ja noch eine ganze Zeit mit Tom und Klaus gehend regenerieren, allerdings wird das nicht gehen, denn der nächste VP mit Dropback ist erst bei Km 195 in Deining...heißt, noch etwa 55 Km, also gute 12 Stunden bis dort hin, na klasse! Rutschend absolut nicht zu machen.....ich erkläre Tom und Klaus kurz was los ist und...laufe! Es hilft ja nichts...Es geht weiter auf und ab, entlang wunderschöner Wege inmitten herrlichster Natur mit grandiosen Ausblicken, nur leider kann ich mich nicht recht darüber freuen, bin zu sehr damit beschäftigt den Laufstil so zu ändern, dass ich extrem über den Mittelfuß laufe um möglichst nicht im Socken zu rutschen, was mir auch mehr und mehr gelingt, allerdings auch recht viel Kraft kostet.

JUNUT 2013 - 132

Nur gut, dass ich die Stöcke mit dabei habe, sonst wäre das so an den An- und Abstiegen absolut nicht zu machen. Mensch Mensch, was man nicht so alles erlebt, da denkt man schon alles mögliche beim Laufen erlebt zu haben und dann DAS! Aber gut, nutzt ja nichts - weiter geht´s!
Kurz hinter Winbuch geht es dann parallel zu einer Landstraße, immr wieder auf und ab, vorbei an Adertshausen, hoch und runter, ehe ich dann kurz vor Hohenburg bin, aber wo ist denn hier der VP? Nee, oder? Da ist ein Schild nach links, den gaaanz steilen Abhang hinunter, ach du Sch..se, wie komme ich denn da runter - und vor allem, später auch wieder hoch? Gerhard Gerhard, du hast Ideen....

JUNUT 2013 - 135

Egal, nach etwas mehr als 26 Stunden bin ich im Sportlerheim am dortigen VP 8 und habe 150 Km im Sack, YES! Ich lasse meine Startnummer 7 notieren und bin doch sehr verwundert, mittlerweile schon im forderen Drittel des Läuferfeldes zu sein, HAMMER! Jürgen Baumann ist hier schon seit etwa 45 Minuten durch, verrückt, wie klasse der heute drauf ist! Freut mich sehr für ihn! Aber trotz aller Freude, die Fußsohlen brennen jetzt wie Feuer und ich frage mich ernsthaft, wie das noch bis ins Ziel gehen soll. Aber gut, nutzt nichts, erstmal ordentlich verpflegen und dann bis zum nächsten VP denken...

So mache ich mich dann auch etwa 20 Minuten später wieder auf den Weg, auf zur 9. Etappe über 23 Km nach Habsberg, dem Finisherpunkt für die 172 Km-Läufer!
Es geht wunderbar wechselnde Wege entlang zahlreicher Wiesen, Felder, Bäche und Waldabschnitte, wobei es immer wieder einmal kurz regnet, was ich nach wie vor als nicht störend empfinde. Mit den brennenden Fußsohlen und den im Socken herum rutschenden Füßen freunde ich mich mehr und mehr an - sodass ich die auch hier wunderschöne Landschaft und Natur wieder genießen kann. Nach etwa 27:30 Stunden laufe ich auf Jürgen Baumann auf, der mir sagt, einfach nicht mehr laufen zu können - macht ja nichts, hat er es doch nicht mehr weit bis ins Ziel! Wir gehen einen Augenblick zusammen und unterhalten uns noch über dies und das - und machen noch ein schönes Bild von uns zur Erinnerung - sind wir doch über 120 Km gemeinsam gelaufen!

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Während ich dann wieder ins Laufen übergehe, marschiert Jürgen hinter mir weiter - alles Gute mein Freund, die letzten 17 Km schaffst du auch noch!
Die Technik des "rutschfreien Laufens" beherrsche ich mittlerweile ganz gut, sodass ich recht gut voran komme. Eine halbe Stunde später laufe ich, ich kann es kaum glauben, auf Bianka Schwede auf die mir sagt, Schmerzen an den Füßen zu haben. Ja mein Gott, die habe ich auch. Ich versuche ihr klar zu machen das dies völlig normal ist und sie sich damit anfreunden muss und hadern absolut nichts bringen würde, ganz im Gegenteil, sie sich mit der Zeit nur weiter und weiter runter ziehen würde. "Der Schmerz, freunde dich mit ihm an, mache ihn zu deinem besten Kumpel und du wirst bis ins Ziel nicht alleine sein" - so ist das eben bei solchen Läufen. Wir gehen ein Stück gemeinsam und laufen wenig später  beide wieder an, wobei sie deutlich schneller ist als ich und wenig später aus meinem Blickfeld verschwunden ist. Scheinbar hat sie sich meinen Rat zu Herzen genommen....
Doch im nächsten Waldstück sehe ich sie auf einer Bank sitzen, Schuhe und Socken aus mit schmerzverzerrtem Gesicht.

JUNUT 2013 - 136


Sie hat keine Blasen, nichts, nur Druck- und Reibestellen und eben Fußsohlenbrennen....ich versuche nochmals auf sie einzureden, doch scheint es mir, als würde sie es nicht schaffen, die Situation so zu akzeptieren wie sie ist....ich mache ihr nochmals deutlich das es uns ALLEN wohl so geht und sie da keine Ausnahme bildet. Wenig später geht sie wieder auf die Strecke....gut so!
Ich verabschiede mich, wünsche ihr alles Gute und laufe weiter.

JUNUT 2013 - 138


Im nächsten Waldstück treffe ich auf Guido Huwiler, der hier einen ganz grandiosen Lauf hinlegt und sowas von über sich hinaus wächst, dass mir schlicht die Worte fehlen! Wir laufen ein Stückchen zusammen und haben ein recht langes, sehr sehr schönes Gespräch miteinander, danke dir dafür Guido!
In Utzenhofen ziehe ich dann das Tempo wieder etwas an, und das bei einem stetig ansteigenden Streckenabschnitt - was geht denn mit mir ab? Verrückt, einfach nur verrückt....und so dauert es nicht lange, dass ich vor den 191 Treppen hinauf zum Jugendhaus Habsberg stehe, meinem 9. VP, Guidos und Jürgens Ziel!

JUNUT 2013 - 140


Als ich hier oben bin werde ich von einem Lokalsender gefilmt, der meinen Freudenruf "Geil - nur noch 57 Km" glatt aufzeichnet....
Im VP nach nunmehr 172 Km und knapp 31 Stunden angekommen stärke ich mich nochmals bis zum Anschlag, fülle alle Vorräte auf und warte auf Jürgen, der etwa 20 Minuten einläuft!

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Ich mache ein Finisherbild von ihm, wir umarmen und verabschieden uns und weiter geht´s, ab auf die Strecke, ab in den Regen, auf nach Deining, auf zu dieser 23 Km-Etappe, auf zum letzten Cutoff-Punkt, Dropback und auf zum Sockentausch! Und erneut werde ich gefilmt....
Ich rufe erst einmal meinen Schatz an um sie über meinen "Zustand" zu informieren, außerdem tut es mir einfach gut, ihre Stimme zu hören.
Doch so schön das ist und so gut das tut, es darf einfach nicht wahr sein, denn ich muss schon wieder für große Jungs, und verdammte Hacke, ich habe weder Taschentücher, noch Vasiline dabei, SHIT!
Ich bin jetzt kurz vor Niederwiesenacker und könnte gerade einmal verrückt werden. Hilft nix, ab ins Gebüsch...ohne Papier...ohne Laub...ohne alles!
Mensch reibt das jetzt, nee nee nee...aber gut, hadere nicht damit, nutzt ja nichts, weiter, immer weiter. Kurz nach Oberwiesenacker, auf dem Feld, kommt mir ein Landwirt entgegen, den ich anhalte und nach etwas "Wischmaterial" frage. Er hat eins, ein einziges, an dem er sich wohl schon die Hände abgewischt hat - egal, besser wie nichts und ganz ohne würde ich es bis zum nächsten VP definitiv nicht schaffen. Ich bedanke mich, er wundert sich - und ich ziehe weiter. Im nächsten Gestrüb wird ann am Hinterteil so weit es geht Schadensverhütung betrieben....
Der Weg führt weiter über offene Felder entlang einer Landtraße und wenig später unter der Autobahn hindurch einen Anstieg hinauf, den ich gehe und nochmals meinen Engel anrufe, bevor die nun 2. Nacht anbricht, denn schließlich ist es jetzt kurz vor 19 Uhr und die Sonne beginnt bereits unter zu gehen - ein wunderbarer Anblick!

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Bevor es richtig dunkel wird durchlaufe ich Rothenfels und einen darauf folgenden Abstieg, bei dem ich froh bin, ihn nicht im dunkeln passieren zu müssen.
Nach 188 Km und gut 35 Stunden mache ich auf einer Bank eine kurze Pause, um mir ein Langarmshirt und die Stirnlampe anzuziehen. Die erste Nacht bin ich ja im Kurzarmshirt gelaufen ohne zu frieren....aber jetzt? Entweder ist es jetzt kälter als gestern oder ich bin erschöpfter - oder beides?

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Egal, ein paar Augenblicke später geht es weiter Richtung Deining, was ja nicht mehr all zu weit weg sein kann und vor allem - nur noch ein Marathon bis ins Ziel! Es geht über eine recht "schräge" Wiese, die es echt in sich hat und nur sehr schwer zu laufen ist. Das ständig schräge Laufen mit etlichen tiefen Löchern geht mächtig auf die Knochen, und vor allem auf die Flussen, die dadurch nochmals ordentlich in den Socken rum rutschen.
Egal, wenig später ist es geschafft, es geht rechts herum Richtung eines Sportplatzes, das muss der VP 10 in Deining sein - und so ist es auch! Und der Knaller ist, 8 Stunden!!! vor der Cutoffzeit, YES, YES, YES!

JUNUT 2013 - 153


Als ich hier reinkomme werde ich bei der Startnummerregistrierung doch tatsächlich gefragt, ob ich fertig laufe oder aussteige - aussteigen, HALLO, 195 Km, nur noch 35 Km vor dem Ziel? NIEMALS!
Ich hole mir erst etwas zu Essen, bekomme sogar extra Nudeln mit Tomatensauce warm gemacht (echt der Hammer), einen Kaffee gekocht (Nee nee nee) und etwas zu trinken, bevor ich dann meine Dropbacktasche suche um ENDLICH aus diesen unseeglichen Socken schlüpfen zu können. Was mich nur wundert - wie kann man solche Schmerzen, gleichzeitig aber keine einzige Blase an den Füßen haben...verrückt! So, ordentlich Vasiline an die Feuerstelle, äh, Füße, zwei frische paar Socken an , Schuhe drauf und weiter gegessen!
Ich fülle den Trinkrucksack nochmals so auf, dass es in jedem Falle bis ins Ziel reicht, auch und besonders mit Gels und Riegeln und mache mich nach gut 40 Minuten um etwa 22 Uhr im Gegensatz zu drei anderen, die hier in einem Ruheraum ein paar Stunden schlafen (um später wieder auf die Strecke zu gehen oder die hier doch ausgestiegen sind), wieder auf die Strecke. Auf zur 11. und vorletzten Etappe über 20 Km nach Holnstein. Ich denke dafür etwa 4:30 Stunden zu benötigen, um dort so gegen 2 - 2:30 einzulaufen.
Ähm, wo ist denn hier die Markierung....mist, glatt den Abzweig verpasst, also zurück! Steffen, konzentrier dich....
Der Weg führt jetzt einen Anstieg auf einer Wiese hinauf und, Scheibenkleister, schon wieder verlaufen, ja was ist denn jetzt nur los?? Hilft nichts, schnell noch ein Gel mit Koffein rein, besser ist das!!
Kaum bin ich aus Deining so recht draußen, verlaufe ich mich schon wieder, ok, das Koffein wirkt noch nicht...hoffe ich!

JUNUT 2013 - 156

Es geht weiter ständig auf und ab, doch lässt es sich hier insgesamt doch recht gut laufen, was ich auch tatsächlich mache! Selbst die Anstiege laufe ich, wenn auch nur langsam, hinauf, ja gibt es das denn? Ich komme weiter sehr gut voran, bis ich nach einer kleinen Siedlung nach etwa 215 Km und etwa 39 Stunden auf einer Wiese stehe und in etwa 200-300 Meter Entfernung auf einer Anhöhe ein Katzenauge reflektieren sehe - nur - wie komme ich da hin? Über die Wiese scheint nicht zu gehen, die steht komplett über Wasser und außerdem gibt es da einen Bach, wie soll ich denn da rüber - oder muss ich doch da lang? Ich versuche es und stehe glatt bis über die Knöchel in der Brühe, klasse, jetzt also noch klatschnasse Füße, na suuuper! Ich beschließe ein Stück zurück zu laufen und entdenke dort einen etwas höher gelegenen Weg - ich Idiot, hätte ich zuvor nur mal auf den Garmin geschaut...dann wären die Flossen jetzt noch trocken und ich hätte keine 15 Minuten verschwendet....Und ganz überraschend gibt es hier sogar eine Brücke über den Bach, nee nee nee...
Es geht ein Stück die Landstraße entlang, bevor es wieder in ein Waldstück hinein geht. Nur gut, dass das Koffein jetzt zu wirken scheint, denn ich verlaufe mich schon etwas länger nicht mehr ;-)!
Und dann, gegen 1:50 Uhr, erreiche ich den letzten und 11. VP in der Felsenschänke in Holnstein - nur, wo ist da der Eingang - alles verschlossen? Ach, klingeln hilft ;-)!

JUNUT 2013 - 158


Ich mache hier nochmals fast 30 Minuten Pause, esse gut und trinke vor allem eine schön heiße Brühe und ordentlich Kaffee. Und ich wärme nich etwas auf, ist es doch recht frisch draußen....
Gegen 2:15 Uhr mache ich mich dann wieder auf den Weg, auf Richtung Ziel, auf nach Dietfurt, auf zur Schlussetappe über etwa 16 Km, NUR noch 16 Km! Und der Hammer ist, laut Startnummernregistrierung am letzten VP liege ich mittlerweile auf dem 5. Gesamtplatz, ja wie geil ist das denn bitte?
Es geht weiter auf gut laufbaren Wegen, entlang großer Wiesen, Felder und kurzen Waldabschnitten und es hat kaum noch nennenswerte Steigungen, gut so! Auch gibt es hier weder tiefe von Forstfahrzeugen verursachte Furchen und Schlammpassagen, was ich zum jetzigen Zeitpunkt auch wirklich nicht mehr brauchen würde. Angetrieben vom Ziel vor Augen und der damit verbundenen Erlösung vom Brennen der Fußsohlen scheine ich förmich über die Strecke zu schweben, die Kilometer vergehen im nu, bis, ja bis ich wieder einmal an einem Bach stehe und mich erneut frage, wie ich DA wohl rüber kommen soll. Aaaaber, trotz Müdigkeit, die übrigens weniger schlimm ist als erwartet, erinnere ich mich an die große überschwemmte Wiese ein paar Stunden zuvor, schaue gleich auf den Garmin, gehe ein Stückchen zurück um ganz überraschend, zwar etwas versteckt, aber trotzdem gut erkennbar, eine Brücke über dieses Gewässer zu entdecken. Ich gehe rüber, schaue auf die Uhr und stelle fest exakt seit 42 Stunden unterwegs zu sein, verrückt, sind es doch nur noch wenige Kilometer bis ins Ziel.
Man, das würde ja bedeuten, mit etwas Glück, unfassbarerweise noch unter 43 Stunden bleiben zu können. Ich kann es gar nicht recht fassen - und laufe einfach mal weiter. Nach etwa 229 Km, ich kann das Ziel schon fast sehen, steht da ein Schild mit einem Pfeil nach rechts - Gerhard, so alter Kämpfer, haste uns da nochmals ein paar Höhenmeter eingebaut, danke auch!

JUNUT 2013 - 160


Den Kommentar zu dem, was da auf dem Schild steht, erspare ich mir. Also rechts ab, den Anstieg hoch, nochmal voll genießen (ist ja schließlich bald Schluss), oben dann links ab und voll Karacho Richtung Dietfurt! Und dann, nach 42:40 Minuten biege ich ein letztes mal rechts ab, besteige die Treppe zuim Eingang des JUNUT - Headquarters - und - lasse ein letztes mal meine Startnummer registrieren um damit dieses mega geile Brett auf Gesamtplatz 5 in für mich sensationellen 42:40:35 zu finishen, HAMMER! Ich kann es einfach nicht fassen, wiiieee geil ist das denn!! Welch ein Lauf, ohne jede Ambition und dann so gut unterwegs, trotz vieler Bilder und vieler Videofilmerei - oder gerade deshalb? Auf alle Fälle war dieser Lauf sehr wertvoll was den WiBoLT anbelangt, habe ich hier doch erneut sehr sehr viel Erfahrung sammeln können!

Nachbericht:

 

Ich setze mich  erstmal hin, genehmige mir ein Bierchen, esse was, lass mich fotografieren und genieße einfach nur den Augenblick.

JUNUT 2013 - 161

Etwa eine Stunde später kommt auch Klaus rein und wir fallen uns regelrecht in die Arme! Geil, dass wir es trotz der Probleme beide geschafft haben.
Wenig später gehe ich duschen, um mich dann, noch noch einem Bierchen (Schlaftrunk ;-)) in der darüber liegenden Turnhalle ein wenig hinzulegen. Doch mit Schlafen ist nicht viel, es kribbelt überall und die Füße, jo...
Also stehe ich gegen 9 Uhr wieder auf und freue mich mit all den anderen, die nach und nach im Ziel eintrudeln.
Ich freue mich ganz besonders, das Michael Wedemeyer und auch Steffi Praher es ebenfalls geschafft haben, einfach nur geil die beiden, und beide sogar deutlich vor dem Cutoff, klasse! Michael bzw. Georg Kunzfeld, der ja mit ihm unterwegs war, habe ich ja genau wie Steffi mehrfach unterwegs versucht anzurufen, um mich zu erkundigen, wie es ihnen so geht. Aber irgendwie waren sie nie erreichbar...egal, jetzt sind wir ja alle drin und freuen uns gemeinsam riesig!
gegen 13 Uhr treffe ich mich dann mit Jürgen und seiner Frau im Stirzer, wo ich mir ein gaaaanz leckeres Spanferkel mit mit Klösen und Salat gönne, schmeckt das lecker!
Um 15 Uhr startet dann die Siegerehrung, ebenfalls im Stirzer, zu der fast das gesamte Läuferfeld, bis auf die 100 Km-Läufer, was ja auch verständlich ist (die hätten 24 Stunden auf uns warten müssen), anwesent ist, einfach klasse! Entsprechend ist dann auch die Stimmung. Als sich Gerhard Börner bei all seinen Helferinnen und Helfern bedankt, gibt es minutenlangen rythmischen Applaus aller Teilnehmer und ich bekomme echt Gänsehaut!
Es herrscht eine ganz fantastische Atmosphäre und es fällt, nachdem jeder von Gerhard seine persönliche Urkunde mit Finisheraufnäher erhalten hat, wirklich schwer, sich von all den lieben Menschen zu verabschieden.
Lieber Gerhard, der JUNUT ist .... mir fehlen einfach noch die Worte - einmalig - vielen vielen Dank für dieses geniale Laufwochenende - und - ich war hier nicht zum letzten male, ganz gewiss nicht! Besser geht nicht, von der Orga, der homepage, den Helfern, der Verpflegung, der Strecke, der Landschaft...von einfach ALLEM nicht!


DANKE FÜR ALLES! - JUNUT - LEIDER GEIL!

 

JUNUT 2013 - 182

JUNUTUrkunde

 

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JUNUT 230 - Der Film!

 
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