Start Laufberichte JUNUT 2015 - 239 Km, 7900 Hm, Spendenlauf 2015 von Laufend etwas bewegen

Läufers Weisheiten

Nicht die Streckenlänge "tötet", sondern die Geschwindigkeit, deshalb laufe lang und langsam!

Es war der erwartet harte Lauf, zu dem wir uns in den 7 Wochen zuvor bestens vorbereitet hatten. 993 Km und über 8000 Höhenmeter….es sollte sich zeigen wie wichtig dieser Grundstein war!
 
Wir stehen um kurz vor 9 Uhr am Rathaus in Dietfurt und staunen nicht schlecht als uns Ute Porth begrüßt! Wahnsinn, sie ist extra aus Ingelheim angereist um uns für den Lauf alles Gute zu wünschen und an einigen Stellen der Strecke und besonders auch im Ziel auf uns zu warten…ich fasse es nicht!
Wir machen noch ein paar Bilder mit einigen Kilometerkäufern die selbst den JUNUT bezwingen wollen bevor es dann um Punkt 9 Uhr auf die Reise geht. Die Mission SPENDENLAUF hat begonnen....Bei strahlendem Sonnenschein setzen sich unter riesen Applaus der vielen vielen Zuschauer an der Strecke 93 Läufer in Bewegung und es ist einfach eine großartige Stimmung.
Es geht nur wenige 100 Meter durch Dietfurt selbst, bevor es in die Wälder geht. Und gleich zu Beginn warten heftige Anstiege auf uns, die natürlich konsequent von Anfang an gegangen werden. Es wird schnell warm und wir schwitzen stark, was mich dazu veranlasst die geplante Elektrolyteinnahme von einem 8 Stunden- auf ein 5 Stunden-Intervall zu verkürzen. Es sollte sich noch herausstellen das dies eine kluge Entscheidung war… und es wird wärmer und wärmer… Bedingungen, die wir in diesem Jahr noch nicht gewohnt sind… entsprechend schwer fällt es unseren Körpern sich darauf einzustellen.
Die Strecke führt über atemberaubend schöne Aussichtsplattformen, die ich leider alle fotografieren muss. DAS ist GENUSS PUR! Welch ein wunderschönes Stück Deutschland. 
 
Die Kilometer verrinnen wie im Fluge und so erreichen wir nach nur 3:45 Stunden Riedenburg, unseren ersten Verpflegungspunkt (VP) nach etwa 27 Km, wo unsere Startnummern und die Zeiten zur Kontrolle notiert werden (wie bei allen noch folgenden Vps auch). Hier wartet auch der Fotograf von der IG BCE auf mich, mit dem ich hier und an der Burg Prunn jeweils einen Fototermin habe. Diese möchte nämlich in der Rubrik „Einer von uns“ einen Bericht über „Laufend etwas bewegen“ verfassen - ich bin gespannt.
Nach der ganzen Knipserei wird sich erst einmal ordentlich verpflegt - Wahnsinn, was es hier alles gibt, da kann sich jede Marathonveranstaltung mal eine riesen Scheibe von abschneiden, Gerhard Börner (Racedirector) - besser geht nicht. Und die Herzlichkeit der Helfer ist - OHNE WORTE!
Nach etwa 20 Minuten machen wir uns auf den Weg nach Kehlheim, 25 Km und der wohl schönste Streckenabschnitt warten auf uns…wobei die gesamte Jurasteig so schön ist das es schwer fällt überhaupt einen schönsten Abschnitt benennen zu können.
 
Wir laufen durch Riedenburg durch den nächsten Anstieg hoch und ich poste schnell noch, wie versprochen, den aktuellen Status für die Spender auf Facebook und….. jo, und gleich mal abgelenkt, kurz nicht aufgepasst und einen Abzweig verpasst. So kommt es das wir bereits jetzt 2 Extrakilometer auf dem Tacho haben. Wieder auf dem rechten Pfad werden wir aber durch wunderschöne Singletrails und eine wunderschöne Landschaft direkt wieder verwöhnt. Es geht über die Klamm und grandiose Felsformationen. Sogar ein Willkommenbanner zur Begrüßung aller JUNUT-Teilnehmer ist dort aufgehängt, Gänsehaut pur - Danke, das ich Läufer bin und DAS erleben darf! Hier fällt mir gleich wieder ein Zitat ein, von dem ich gar nicht mehr weiß von wem es stammt: Nur wo du zu Fuß warst warst du wirklich! Wie wahr wie wahr..
Als wir im Tal ankommen geht es direkt den nächsten Anstieg hoch auf die Burg Prunn, wo erneut der Fotograf auf mich wartet. Schnell noch etwa 10 mal den Anstieg vor der Burg und die Treppe nach der Burg laufend rauf (muss ja gut aussehen) bevor es dann weiter geht (ich hoffe der Bericht der IG BCE - Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie - wird gut). Es wird wärmer und wärmer und uns wird gesagt es seien in der Sonne über 30 °C - na prima. Wir sind gefühlt ständig am trinken und schwitzen ohne Ende. Der Weg geht entlang der Altmühl leicht bergab, sodass wir es schön laufen lassen können, bevor es dann über den Keltenwall über den Berg rüber zur Donau geht. Welch ein Anstieg, welch eine wunderschöne Landschaft. Und dann der Blick von hoch oben auf das Kloster Weltenberg, einer Benediktinerabtei, direkt am Donauufer, atemberaubend schön.
 
Es geht weiter bergab ins Donautal Richtung Kehlheim. Jetzt zeigt sich wie heiß es ist, den Melanies Wasservorräte sind erschöpft (2 Liter Wasserblase) und es sind noch rund 6 Kilometer bis zum nächsten Vp. Gut das ich mich trinktechnisch zurückgehalten habe, sodass wir auch diese Situation gut überstehen. 
Wir erreichen Kehlheim um kurz vor 17 Uhr - Hammer - fast 45 Minuten schneller als geplant, trotz Verlaufer, trotz Hitze. Hier wartet Ute Porth auf uns - WAHNSINN! Wir essen und trinken gut, füllen unsere Vorräte auf, posten den Status auf Facebook, sind überwältigt von all den Kommentaren und machen uns wenig später gemeinsam mit Gerhard Börner, dem Racedirector, der selbst den JUNUT läuft, auf den Weg zum nächsten Vp nach Matting. Hier ist auch die erste Cutoffzeit, über die ich mir aber keine Sorgen mache so wie wir momentan unterwegs sind.
Es geht weiter Berge rauf, Berge runter und so langsam merken wir das auch. Der Weg führt nach Bad Abbach, wo wir beim Überqueren der Donau einen traumhaften Sonnenuntergang genießen dürfen. Es wird dunkel - willkommen erste Nacht, vor der ich noch keine Angst habe…wohl aber vor der dann folgenden zweiten...
Nach fast 80 Km erreichen wir das Haus der Freiwilligen Feuerwehr in Matting. 12 Stunden sind wir jetzt unterwegs und haben außer den vielen Kilometern auch schon etwa 2700 Höhenmeter in den Beinen. Entsprechend gut tut die dortige etwa 30-minütige Pause - und der Kaffee, der uns dort liebevoll angeboten wird. Es ist großartig, wie sehr sich die Helfer um das Wohl von uns Verrücken sorgen, wir sind sehr dankbar für alles.
Nachdem wir erneut die Vorräte aufgefüllt und uns kleidungstechnisch fertig für die erste Nacht gemacht haben werden wir in völliger Dunkelheit mit dem Rettungsboot der Freiwilligen Feuerwehr über die Donau geschifft - welch ein Erlebnis. Drüben angekommen geht es weiter nach Schönhofen, wie schön, „nur“ 10 Km. Doch auch diese haben es in sich, folgt doch gleich wieder ein Mörder Anstieg. Es geht durch einen wohl weiteren sehr schönen Alpinen Teil des Jurasteiges, dessen Schönheit wir aber wegen der Dunkelheit leider nur erahnen können. 
 
Nach 14:30 Stunden erreichen wir den 4. Vp in Schönhofen und werden wie schon bei all den anderen sehr herzlich empfangen. Wir stärken uns und ziehen gegen 0 Uhr weiter Richtung Pielenhofen, 15 Km und etwa 500 Höhenmeter warten auf uns. 
Die Müdigkeit hält sich in Grenzen, vielleicht auch deshalb, da wir mit verschiedensten anderen Läufern unterwegs sind und wunderschöne Gespräche führen - das lenkt ab und hält wach :-). Jetzt haben wir fast 100 Km und mehr als 3500 Hm in den Knochen, weshalb Melanie nicht mehr recht laufen kann, was nicht weiter schlimm ist, sind wir doch sehr sehr gut im Plan. Genau solche „Schwächephasen“ habe ich ja eingeplant. Ich sage ihr alles sei gut, sodass wir den Rest bist zum Vp schnellen Wanderschrittes bewältigen und dort gegen 2:30 Uhr eintreffen. KAFFFFEEEEE muß her, dringend, und den bekommen wir auch. Nicht nur das, belegte Brötchen, Suppe - oh man, mir fehlen einfach nur die Worte. Die Vp´s und ALLE Helfer sind einfach nur der WAHNSINN! Wir stärken uns und müssen leider auch erfahren, dass schon einige Teilnehmer die Segel streichen mussten, was uns unglaublich leid tut. Viele haben wohl die Hitze und vor allem die Sonne unterschätzt…
Wenig später ziehen wir weiter nach Dallackenried, dem 6.Vp. 12 Km und „nur“ 350 Höhenmeter soll diese Etappe haben, naja, aufgrund der Müdigkeit kommen sie uns eher wie 30 Km und 1000 Hm vor…
Weiter, immer weiter, nur das zählt und so kommen wir gegen 5:00 Uhr in der Früh dort an. Kaaffeeeee, ach das hatten wir ja schon ;-). Erneut ist es die Freiwillige Feuerwehr die uns hier liebevoll umsorgt, es ist der Knaller wie sich hier Vereine und Leute, die mit unserem Sport gar nichts zu tun haben, reinhängen…… DANKE DANKE DANKE allen Helfern!
 
Um 5:30 Uhr machen wir uns wieder auf die Socken, 1,5 Stunden schneller als geplant, das beruhigt. Auf nach Schmidmühlen, „nur“ ein Halbmarathon mit über 700 Hm, alla vodd dann ;-)….
Melanie hat sich von ihrer Schwächephase auch wieder erholt, sodass wir laufend ordentlich Kilometer reißen können. um 6 Uhr ist es dann soweit, BERGFEST, die Hälfte der Strecke ist absolviert, YES! Was einmal geht geht auch zweimal denken wir uns…
Es geht durch endlos erscheinende Waldwege, hinein in eine traumhaft schönen Sonnenaufgang, welcome new day! Die Sonne durchdringt unsere Körper und schenkt uns neue Kraft. Dazu der bezaubernde Gesang der Vögel - Natur wie bist du schön - kann es etwas schöneres geben?
Nach nur 24:30 Stunden, also gegen 9:30 Uhr, gelaufenen 140 Km mit über 4800 Hm erreichen wir den 7. Vp in Schmidmühlen, wo erneut unsere Dropbags auf uns warten. Hier pausieren wir lange, bekommen einen heißen Gemüseeintopf und Nudelsalat serviert, trinken viel und duschen. Runter mit all dem Salz vom Schweiß des Vortages, rein in frische Laufkleidung und auch Socken. Welch eine Wohltat…
 
Mit einem Zeitpolster von 2 Stunden auf unsere geplante Zeit machen wir uns wieder auf den Weg, auf nach Hohenburg - 12,5 Km und etwa 400 Hm. 
Auch dies ist ein traumhaft schöner Streckenabschnitt, den ich aber leider nicht so ganz genießen kann. Die 90 Minuten Pause haben mir wohl nicht ganz so gut getan wie Melanie, die sich nach wie vor grandios fühlt - ich bin endlos stolz auf sie! Mein Körper hingegen scheint auf Regeneration geschaltet zu haben, entsprechend schwere Beine habe ich und entsprechend müde bin ich auch. Aber hey, ich habe keine Probleme…. diese haben leider leider andere Läufer…. so z.B. eine Läuferin, die mit angehendem Shin Splint zu kämpfen hat, oh Gott, mir fangen zwar auch schon an die Füße etwas zu schmerzen… doch...was geht es mir so gut… Es fängt leicht an zu regnen, einige Läufer vor uns holen ihre Regenjacken raus… ich checke den Regenradar mit meinem Smartphone und entscheide ohne weiter zu laufen. Und ja, wir haben Glück, es bleibt bei ein paar wenigen Tropfen, Gott sei Dank!
Es geht auf und ab über wunderschöne Aussichtspunkte, vorbei ein herrlichen Felsformationen, bevor wir gegen 13 Uhr den 8. Vp in Hohenburg erreichen. 151 Km und 5200 Hm sind im Sack, YES!
Hier werden wir von der dortigen „Einmannbewirtung“ mit leckerem, selbst gemachten Kartoffelpüree verwöhnt, welch ein Genuss!
 
Mit einem Zeitpolster von unglaublichen 2:30 Stunden zu unserer geplanten Zeit machen wir uns auf den Weg nach Kastl, 21 schwere Kilometer warten auf uns. Die Müdigkeit ist fast nicht zu ertragen und so beschließen wir auf einer Bank in Allersburg etwa 30 Minuten zu schlafen… was uns aber leider nicht gelingt. Mit noch schwereren Beinen als zuvor machen wir uns weiter auf den Weg, der uns mehr und mehr endlos erscheint. Der Anstieg auf einen Aussichtspunkt kurz vor Kastl gibt uns den Rest und wir sehnen uns Meter um Meter den 9. Vp herbei. Hier kommen wir nach etwas mehr als 32:30 Stunden an, also gegen 17:30 Uhr. Hier ist auch die Finish Line für die „Sprinter“, die sich für die „Bambinistrecke 171 Km“ angemeldet haben. Wir werden gefragt ob wir weiterlaufen oder aussteigen wollen… HALLO? Nee nee, geht gar nicht, wir haben ja schließlich eine Mission zu erfüllen! Ute Porth erwartet uns hier und meint wir würden noch richtig gut aussehen - oh man, wenn die wüsste ;-). Wir stärken uns, füllen die Vorräte auf und ziehen weiter zum Habsberg. 10 Km und etwa 660 Hm…. jaja die Anstiege, wir liebe sie …. auf geht´s, „nur“ noch etwa 70 Km und etwa 2000 Hm bis ins Ziel…. 70 Km… also unter normalen Umständen ja kein riesen Ding und auch bei diesen Höhenmetern in unter 10 Stunden zu machen …. aber jetzt? Ich befürchte es könnten 20 Stunden werden…..besonders mit Blick auf die nun kommende zweite Nacht…
Ich verdänge schnell wieder diese Gedanken und versuche mich an der Schönheit der Strecke zu erfreuen, geht es doch erneut durch wunderschöne Wälder, über traumhafte Wege hinein in einen erneut fantastischen Sonnenuntergang! Ich halte kurz inne und lasse die Situation auf mich wirken… ich bekomme Gänsehaut!
Noch vor der Dunkelheit erreichen wir, nach 171 zu erklimmenden Stufen, den 10. Vp auf dem Habsberg! 182 Km und 6500 Hm sind nach 35:30 Stunden geschafft, so fühlen wir uns auch. So weit ist Melanie noch nie in ihrem Leben gelaufen und ich bin sprachlos wie gut sie drauf ist, SCHATZ, ICH LIEBE DICH! Wir machen fast 45 Minuten Pause und müssen das Ausscheiden des bis dahin führenden miterleben - nicht schön! Und überhaupt wird die Liste der durchgestrichenen und somit ausgeschiedenen Läufer immer länger…. doch wir sind noch mit dabei, mir läuft es kalt den Rücken herunter. Ich poste, wie schon zuvor an jedem Vp, unseren Status auf Facebook und bin überwältigt von all den Kommentaren und Anfeuerungen, Aufmunterung und auch mir fehlen einfach nur die Worte, 1000000 DANK euch allen dafür, ihr gebt uns unglaublich viel Kraft! 
 
Wir machen uns mit entsprechender Kleidung und Stirnlampe startklar für die Nacht und ziehen gegen 21 Uhr weiter, auf in die zweite Nacht… ich habe etwas bedenken wegen unserer Müdigkeit, lasse mir bei Melanie aber nichts anmerken. Warum auch, haben wir doch noch 2 Stunden Vorsprung auf unsere geplante Zeit und 5 Stunden zum Cutoff - alles ist gut!
Weiter geht´s nach Deining, ist ja nur ein Halbmarathon! Wir haben wieder einen netten Begleiter an unserer Seite, was die Zeit etwas schneller vergehen zu lassen scheint. Doch es wird empfindlich kalt, zumindest Melanie empfindet das so und zieht ihren Buff, Handschuhe und ein zusätzliches Shirt an. Es geht mir seltsam erscheinende Waldwege entlang, über sandige Wiesen (gut das es nicht regnet, wäre das ein Matsch) bis nach Deining - ich bin todmüde und von den Füßen (Fußsohle) rede ich erst gar nicht. Aber, ich habe keine Blasen, und Melanie, deren Treter wir gerade mit Melkfett frisch bearbeitet haben, glücklicherweise auch nicht - alles ist gut!
Nach 203 Km und über 7000 Hm erreichen wir nach 40:30 Stunden um etwa 1:30 Uhr den vorletzten, also 10. Vp. Die Freundlichkeit der dortigen Helfer ist der Wahnsinn, wie schon an all den anderen Vp´s! Wir bekommen frisch gekochte Nudeln mit Tomatensauce, derweil wir andere Kleidung (lange Hose, eine Jacke, frische Socken und andere Schuhe) anziehen. Hier wechsle ich auch ein letztes mal die Batterien unserer Stirnlampen. 37 Km stehen jetzt „nur“ noch an und mir wird langsam klar, dass hier bei verbleibenden 13:30 Stunden bis zum Zielschluss EIGENTLICH nichts mehr schief gehen kann. Nachdem wir unsere Vorräte erneut aufgefüllt haben schlurfen wir wieder hinaus in die Nacht, auf zur vorletzten Etappe über 21 Km nach Holnstein, dem 11. und letzten Vp!
Eigentlich war für diesen Streckenabschnitt eine Zeit von 5 Stunden geplant… doch es sollte leider anders kommen….
 
Es geht weiter am Bach über Holzpfade entlang - auch diesen Abschnitt würde ich sehr gerne mal am Tage sehen. Es geht entlang der Straße links ab den Berg hinauf in die Felder - doch jetzt macht sich die Müdigkeit voll bemerkbar. Wir brauchen für die nächsten 2 Kilometer fast eine Stunde, haben ständig Probleme den rechten Weg zu finden, irren wie blöde in der Gegend herum - trotz Garmin (Navi). Es fällt uns zunehmend schwerer uns zu konzentrieren…..
Und es kommt noch schlimmer, wir fangen an während des Laufens in Sekundenschlafphasen zu fallen…. schwanken mal nach links, mal nach rechts… hauen uns ab und an gegenseitig in die Seite um wach zu bleiben. Es geht über endlos erscheinende Wiesen, entlang an Bächen, und wir verlaufen uns ständig, bilden uns ein die Strecke sei sehr schlecht markiert, was ich allerdings bezweifle, wir sind schlicht zu müde.
Schritt für Schritt, tip tip, einen Fuß vor den anderen setzend schlurfen wir weiter, Kilometer um Kilometer, es kommt uns wie eine Unendlichkeit vor. Wir fangen an zu halluzinieren, sehen Bänke, wo gar keine sind, Tiere, Gebäude, Geishcter im Nebel, unser Kopf spielt mit uns Märchenland…. nur das dies hier keines ist. Mit Kopfrechnen versuche ich mich wach zu halten, irgendwie, pikse mir ab und an selbst in die Haut, egal, Hauptsache wach bleiben. Okay, wir könnten Koffeintabletten oder Aktivator zu uns nehmen, wissen aber nicht wie wir das vertragen und beschließen es ohne dieses Zeugs irgendwie zu Ende zu bringen. Sekunden, Meter, Kinder, Essen, Schlafen, tausend und keine Dinge schwirren mir durch den Kopf. Ein Blick auf den Laufcomputer lässt mich erkennen das wir alleine auf diesem Abschnitt 1 Stunde verloren haben und mehr als 4 Extrakilometer gesammelt haben, SCH..E! Es ist echt der Wahnsinn, wir sehen die Schilder, sehen auf den Garmin und verstehen einfach nicht wo wir sind, verrückt! Nur gut, das wir zuvor 2 Stunden zu unserer geplanten Zeit herausgelaufen haben. Ich versuche mich zu konzentrieren, zu errechnen wie viel Stunden wir noch zum Cutoff haben - es geht nicht, mein Kopf ist völlig alle. Am Wegesrand treffen wir die bis dahin führende Frau, die mit höllischen Schmerzen im rechten Bein 20 Km vor dem Ziel aufgeben muss und sich abholen lässt, mir laufen die Tränen die Wange herunter…..
Kurz vor Holstein wird es wieder hell, ein neuer Tag beginnt, doch Freude will nicht so recht aufkommen.Wir überqueren nach einer Häusersiedlung einen Bach um dann ein kurzes Stück die Straße entlang zu gehen, bevor es wieder links ab den Berg hinaus geht. Melanie ist völlig fertig, nein, nicht körperlich, aber ihr Kopf und die Nerven spielen verrückt. Sie glaubt es wegen des Cuttoff nicht schaffen zu können und bricht in Tränen aus, sieht ihren Traum schon schwinden, woraufhin ich sie beruhige und ihr sage, dass wir noch sehr sehr gut unterwegs sind. Nur wie gut exakt…keine Ahnung, ich bin selbst zu müde. Prompt verlaufen wir uns schon wieder und verlieren erneut wertvolle Zeit, sodass wir nach über 6 Stunden!!!, 46:45 Stunden gesamt, also um 7:45 Uhr endlich endlich am letzten Vp ankommen!

Kaffee, ich brauche Kaffee, dringend, und den bekomme ich auch. Rührend wie sich um uns Häufchen Elend gekümmert wird - ich bin für alles dankbar und ziehe meinen Hut vor den Helfern, die sich hier die Nacht um die Ohren schlagen nur um uns zu versorgen, großartig. Mensch Mensch, 224 Km und rund 7500 Höhenmeter haben wir bis hier hin bewältigt, Zahlen, die mir in diesem Moment fremd und utopisch erscheinen. Nur noch verdammte 15 Km und 400 Hm, dann  ist das Ding gegessen, der Drop gelutscht und sind die Spendengelder gesichert. Das ist das einzige was zählt. Die Füße schmerzen, merken deutlich den verwurzelten, felsigen Waldboden, die ewig langen Schotterpisten im Wald (was haben sie die Förster dabei nur gedacht, selbst Wanderer werden das nicht gut finden und darüber fluchen), die ewigen An- und Abstiege, die unzähligen Kletterpartien über die durch den Sturm umgestürzten, aber auch frisch gefällten Bäume, all diese Strapazen spiegeln sich nun in unseren Füßen wieder.

 
Wir essen und trinken ein letztes mal, bevor wir uns 30 Minuten später wieder auf den Weg machen, auf nach Dietfurt, auf ans Ziel, auf zu den Spendengeldern für die Kinder. Kann uns jetzt noch etwas stoppen? NEIN! Und, wir haben noch mehr als 6 Stunden bis zum Zielschluss - das MUSS einfach reichen!
Es geht Treppen hinunter, oh die Oberschenkel... hm, ging ja am Freitag morgen auch schon mal besser da runter, denke ich…. Wenig später... oh man, wir sind wieder auf dem falschen weg, oder doch nicht? Der Track auf dem Garmin zeigt geradeaus den Berg hinauf - die Beschilderung zeigt aber ganz eindeutig nach rechts… und jetzt?
Wir entscheiden uns auf dem Track zu bleiben, nur nichts mehr riskieren! Es geht einen letzten ernst zu nehmenden Berg hinauf, bevor wir ins Tal an die Unterbürger Laber kommen. Dieser führt nun auf wunderschönen Wegen direkt bis nach Dietfurt. Seltsamerweise geht es uns beiden immer besser, nicht das die Schmerzen nicht mehr da wären, doch sind sie nun viel leichter zu ertragen. Auch die Zeit und die noch verbleibenden Kilometer scheinen nun viel schneller zu vergehen, unglaublich, welchen Gefühlsschwankungen man bei einem solchen Lauf unterliegt. Noch 10, 9, 8 Km, WAHNSINN, SCHATZ, WIR SIND BALD DRIN, WIR HABEN ES FAST GESCHAFFT - NICHTS KANN MEHR PASSIEREN, DIE GELDER SIND SICHER, YES YES YYEESS!
Dies alles beflügelt so sehr das wir sogar wieder laufen, es ist der Wahnsinn.
Und dann ist es soweit, eine Letzte Brücke, links ab und da sind sie zu sehen, die ersten Häuser Dietfurts, es läuft uns kalt den Rücken herunter, es ist wie ein Traum, so unwirklich, WIR, WIR ....haben es tatsächlich geschafft? Unfassbar…
Ein letzter Anstieg, wie leichtfüßig das jetzt geht. Noch 1 Km, 1000 verdammte Schritte, links rum, rechts rum und dann ist es soweit, der Abstieg nach Dietfurt beginnt. An der Treppe wartet schon Ute Porth auf uns, das verrückte Huhn, freut sich mit uns wie verrückt. Meli will auf halber Höhe schon stehen bleiben und rechts abbiegen...…nein nein Schatz, da noch runter, dann rechts und wieder rechts, DANN sind wir drin!
 
Ein letztes mal im Laufschritt, tip tip, tap tap, jeder Schritt ist purer Genuss..noch 50 Meter, wir werden mit riesen Applaus begrüßt, 30, 20, 10, 9,8,7,6,5,4,3,2,1 -> FINISH! Alle stehen sie und begrüßen uns, welch wahnsinns Momente des Glückes und der Zufriedenheit, wir fallen uns in die Arme…. MELI, DU HAST ES GESCHAFFT, WIR haben es geschafft, unfassbar! Und in welch einer Klasse Zeit, 50:14, 45 Minuten VOR unserer geplanten Zeit, es ist der Hammer! Und ich bin unendlich STOLZ auf meinen Schatz, noch nie zuvor habe ich sie so entschlossen und stark erlebt… nichts, aber auch gar nichts hätte sie je aufhalten können. Welch eine Leistung.
Später erfahren wir, dass von den 93 Startern nur 33 überhaupt das Ziel in Dietfurt haben und wir 18. geworden sind, Meli sogar 2. ihrer und ich 3. meiner Altersklasse, schier unglaublich. 
Und, alle Spendengelder sind gesichert, Mission erfüllt…. wir bekommen Gänsehaut und genießen den Moment voller Zufriedenheit und Dankbarkeit, ein Moment für die Ewigkeit....

Herzlichen Dank an Margot und Gerhard Börner und ALLE Helfer für alles, was ihr für uns getan habt - einfach ohne Worte! Der JUNUT ist einmalig, einzigartig, unbeschreiblich und einfach nur wunderschön - aber auch knüppelhart - ein Mörderbrett! Man kann ihn nicht beschreiben, man muss ihn erlaufen!

100000 DANK an alle Spender und Unterstützer, sowohl für die Gelder, als auch für die vielen aufbauenden Kommentare während unseres Laufes! Ihr habt uns so viel Kraft gegeben, DANKE DANKE DANKE! Ihr alle seid GROßARTIG!

 

Wer nach einem solchen Lauf immer noch nicht weiß wer er wirklich ist wird es wohl nie erfahren!

Und war der Lauf nicht dein Freund, war er dein Lehrer...

 
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